Wenn du über ein Auto nachdenkst, das mit Gas fährt, hast du vielleicht schon die Frage gehört: Kann man eine Tankstelle für Erdgas finden? Oder ist LPG die bessere Wahl? Vielleicht hast du sogar schon gesehen, wie jemand sein Auto an einer grünen Säule volltankt - und dich gefragt, ob das wirklich Erdgas ist oder doch nur Flüssiggas. Die Antwort ist nicht einfach, denn Erdgas und LPG sind zwei völlig unterschiedliche Dinge - und sie haben auch nichts mit einer riesigen Gasflasche zu tun, wie manche denken.
Was ist eigentlich Erdgas?
Erdgas ist kein Flüssigkeitsprodukt. Es ist ein Gas, das hauptsächlich aus Methan besteht. In seiner reinen Form ist es farblos, geruchlos und leichter als Luft. Deshalb wird es in der Natur unter der Erde gespeichert und über Pipelines transportiert. Für Fahrzeuge wird es aber unter hohem Druck verflüssigt - man nennt das CNG, Compressed Natural Gas. Es wird auf etwa 200 bis 250 Bar gepresst und in spezielle Stahl- oder Kohlefaser-Tanks gefüllt. Diese Tanks sehen aus wie dicke Zylinder, die meist im Kofferraum oder unter dem Fahrzeugboden montiert werden. Sie sind nicht zum Nachfüllen wie eine Benzinflasche. Du fährst zu einer CNG-Tankstelle, steckst den Schlauch ein, und der Tank wird mit Gas unter hohem Druck gefüllt. Das dauert etwa fünf bis sieben Minuten, genauso wie beim Benzin.
Es gibt in Deutschland über 900 CNG-Tankstellen. In München sind es mehr als 40. Die meisten davon findest du an Autobahnen, an großen Tankstellenketten wie Shell, Aral oder TotalEnergies. Sie sind alle mit grünen Schildern gekennzeichnet. Wenn du auf deinem Navi „CNG“ eingibst, zeigt es dir alle in der Nähe an. Die Preise liegen bei etwa 1,10 bis 1,30 Euro pro Kilogramm. Ein Kilogramm Erdgas entspricht ungefähr einem Liter Benzin an Energie. Das macht es deutlich günstiger als Benzin oder Diesel.
Was ist LPG?
LPG steht für Liquefied Petroleum Gas. Das ist kein Erdgas. Es ist eine Mischung aus Butan und Propan, die aus der Raffinerie stammt - also aus der Verarbeitung von Erdöl. Im Gegensatz zu Erdgas wird LPG bei niedrigem Druck verflüssigt. Du kannst es dir wie Campinggas vorstellen, nur in viel größeren Mengen. In Fahrzeugen wird es in speziellen Tanks gespeichert, die ähnlich aussehen wie die von CNG, aber weniger druckfest sein müssen. Die Tanks sind oft rund oder oval und werden meist im Kofferraum installiert. Manche Fahrzeuge haben sogar zwei Tanks: einen für Benzin und einen für LPG. Der Motor wechselt dann automatisch zwischen beiden.
Die Tankstellen für LPG sind deutlich häufiger als die für Erdgas. In Deutschland gibt es über 3.500 LPG-Tankstellen. Sie sind oft an normalen Benzin-Tankstellen zu finden, manchmal mit einem rosa Schild. Der Preis liegt bei etwa 0,80 bis 1,00 Euro pro Liter. Das klingt günstiger als Erdgas - aber Achtung: LPG hat nur etwa 70 % der Energie pro Liter im Vergleich zu Benzin. Das heißt, du verbrauchst mehr. Ein Auto mit LPG fährt meist 15 bis 20 % mehr Kilometer pro Liter als mit Benzin, aber die Energieeffizienz ist niedriger.
Warum gibt es keine „Tanks“ wie bei Flüssiggas?
Viele Leute denken, man könne einfach eine große Gasflasche wie bei einem Campingkocher an ein Auto anschließen. Das ist gefährlich und technisch unmöglich. Erdgas muss unter extrem hohem Druck gespeichert werden - 250 Bar sind das Äquivalent von 2.500 Metern Wassersäule. Ein normaler Gasflaschenanschluss würde bei diesem Druck wie eine Rakete explodieren. LPG wird zwar bei niedrigerem Druck gespeichert, aber auch hier braucht man spezielle, geprüfte Tanks. Diese sind aus Stahl oder Kohlefaser und müssen jährlich geprüft werden. Es gibt keine „Tankfüllung“ mit einer normalen Gasflasche. Das ist nicht nur illegal, sondern auch extrem riskant.
Wenn du jemanden siehst, der mit einer Gasflasche am Auto fährt - das ist entweder ein Scherz, ein falscher Film oder eine gefährliche Falschinformation. Solche Systeme existieren nicht für Straßenfahrzeuge. Die Technik ist streng reguliert, und jede Installation muss von einem zugelassenen Fachbetrieb durchgeführt werden.
Welches Gas ist besser für dein Auto?
Es hängt von deinen Fahrgewohnheiten ab. Wenn du oft auf der Autobahn fährst, langstreckig unterwegs bist und einen hohen Jahreskilometerstand hast, ist CNG die bessere Wahl. Die Tanks sind langlebig, die Infrastruktur ist zuverlässig, und die CO₂-Emissionen sind bis zu 25 % niedriger als bei Benzin. Außerdem gibt es in vielen Städten, auch in München, Rabatte auf Parkgebühren und Maut für CNG-Fahrzeuge.
Wenn du hauptsächlich in der Stadt fährst, weniger als 15.000 Kilometer pro Jahr zurücklegst und eine günstigere Anschaffung willst, ist LPG oft die praktischere Option. Die Umrüstung kostet zwischen 2.000 und 3.500 Euro, ist aber bei vielen älteren Modellen möglich. Du kannst weiterhin Benzin tanken, wenn du keine LPG-Tankstelle findest. Die Reichweite ist aber geringer, und der Verbrauch ist höher. Außerdem sinkt der Wiederverkaufswert, weil viele Käufer LPG-Fahrzeuge skeptisch sehen.
Ein Beispiel: Ein Golf 8 mit CNG fährt mit einem vollen Tank etwa 400 Kilometer. Mit LPG sind es 300 bis 350 Kilometer. Beide fahren mit 100 km/h und 120 km/h nahezu gleich gut. Aber der CNG-Motor ist leiser, und die Motoren halten länger, weil Gas keine Rußpartikel erzeugt.
Was ist mit Elektroautos? Sind sie besser?
Ja, Elektroautos sind emissionsfreier. Aber sie brauchen Strom. Und Strom kommt oft aus Kohle- oder Gaskraftwerken. Ein CNG-Auto mit moderner Technik hat heute fast die gleichen Emissionen wie ein Elektroauto, das mit dem deutschen Strommix fährt. Der Unterschied liegt im Verbrauch: Ein Elektroauto verbraucht 15 bis 20 kWh pro 100 km. Ein CNG-Auto verbraucht 3,5 bis 4,5 kg Erdgas pro 100 km. Beide sind günstiger als Benzin. Aber wenn du keine Ladestation hast, ist CNG realistischer. In ländlichen Gebieten oder bei Reisen in andere Länder ist die CNG-Infrastruktur oft besser als die Ladesäulen.
Was passiert, wenn der Tank leer ist?
Bei CNG-Fahrzeugen gibt es meist eine doppelte Versorgung: Ein kleiner Benzin-Tank (5 bis 10 Liter) ist immer vorhanden. Wenn der CNG-Tank leer ist, wechselt das Auto automatisch auf Benzin. Du bekommst ein Warnsignal, aber du kannst weiterfahren, bis du eine Tankstelle findest. Bei LPG-Fahrzeugen ist es ähnlich. Du kannst auch ohne Gas fahren - solange der Benzin-Tank voll ist. Beide Systeme sind also sicher und praktisch. Es gibt keine „Festfahrt“-Probleme, wenn der Gasvorrat aufgebraucht ist.
Wie sieht die Zukunft aus?
Die EU plant, ab 2035 keine neuen Verbrenner mehr zuzulassen. Aber CNG und LPG sind als Übergangslösungen weiterhin erlaubt. In Deutschland wird die CNG-Infrastruktur sogar ausgebaut. Die Bundesregierung fördert neue Tankstellen mit bis zu 70 % der Investitionskosten. LPG hingegen wird weniger unterstützt. Viele Tankstellen schließen, weil der Verkauf zurückgeht. Die Nachfrage sinkt, weil neue Autos meist elektrisch oder mit Wasserstoff ausgestattet werden.
Das bedeutet: Wenn du heute ein Gasauto kaufst, ist CNG die zukunftssichere Wahl. LPG ist eine günstige Option - aber nur, wenn du weißt, dass du in 5 Jahren vielleicht keinen Service mehr findest.
Fazit: Du kannst keinen „Tank“ mit Erdgas füllen - aber du kannst es tanken
Nein, du kannst nicht einfach eine große Gasflasche kaufen und sie an dein Auto anschließen. Das ist nicht möglich. Aber du kannst dein Auto mit Erdgas oder LPG ausrüsten - und dann an speziellen Tankstellen nachfüllen. CNG ist sauberer, effizienter und zukunftssicherer. LPG ist günstiger in der Anschaffung, aber weniger zukunftstauglich. Wenn du auf Gas umsteigen willst, entscheide dich für CNG. Es ist die bessere Wahl - nicht nur für deine Geldbörse, sondern auch für die Umwelt.
Kann man Erdgas wie Benzin tanken?
Ja, aber nicht an jeder Tankstelle. Erdgas (CNG) wird nur an speziellen Stationen mit grünen Schildern getankt. Der Prozess ist ähnlich wie beim Benzin: Du steckst den Schlauch ein, drückst auf den Knopf, und das Gas fließt unter hohem Druck in den Tank. Es dauert etwa 5-7 Minuten. Die Tanks sind fest verbaut und dürfen nicht selbst gefüllt werden.
Ist LPG gefährlicher als Erdgas?
Nein, beide sind sicher, wenn sie richtig installiert sind. LPG wird bei niedrigerem Druck gespeichert, was technisch einfacher ist. Erdgas (CNG) wird unter extrem hohem Druck gespeichert, was strengere Sicherheitsstandards erfordert. Beide Systeme müssen jährlich geprüft werden. In der Praxis sind Unfälle bei beiden extrem selten - viel seltener als bei Benzin oder Diesel.
Kann man ein Auto von Benzin auf CNG umrüsten?
Ja, das ist möglich. Viele Werkstätten bieten Umrüstungen für Benzinautos an. Die Kosten liegen zwischen 3.000 und 4.500 Euro. Der Motor bleibt unverändert, es wird nur ein zusätzlicher Gassystem-Kit installiert. Nach der Umrüstung musst du den Wagen bei der Zulassungsstelle anmelden. Danach darfst du CNG tanken. Die Umrüstung ist für Autos bis 15 Jahre alt erlaubt.
Wie viele Kilometer fährt man mit einem vollen CNG-Tank?
Ein typischer CNG-Tank fasst 15 bis 20 Kilogramm Gas. Das entspricht etwa 400 bis 500 Kilometern Reichweite, je nach Fahrzeugmodell und Fahrweise. Große Fahrzeuge wie SUVs haben oft zwei Tanks und kommen so auf über 600 Kilometer. Im Vergleich dazu fährt ein Benziner mit 50 Litern etwa 600 Kilometer - aber CNG kostet deutlich weniger pro Kilometer.
Gibt es in Deutschland genug CNG-Tankstellen?
Ja, Deutschland hat über 900 CNG-Tankstellen, und die Zahl steigt. In München gibt es mehr als 40, in Berlin über 60. Die meisten liegen an Autobahnen und großen Tankstellenketten. Du kannst sie leicht mit Apps wie TankApp, ADAC oder Google Maps finden. Die Infrastruktur ist für den Alltag und längere Reisen ausreichend - besonders im Vergleich zu LPG, wo viele Stationen geschlossen wurden.