Die Frage, wann alle Autos elektrisch sein werden, ist nicht mehr theoretisch. Sie ist politisch, wirtschaftlich und technisch bereits entschieden - nur der Zeitpunkt bleibt unklar. In Deutschland, Europa und weltweit läuft ein Prozess, der den Verbrennungsmotor innerhalb von zwei Jahrzehnten aus dem Straßenverkehr verbannt. Aber wann genau wird dein nächstes Auto kein Benzin oder Diesel mehr brauchen? Die Antwort ist nicht ein einzelnes Jahr, sondern ein Übergang, der schon begonnen hat und sich in den nächsten zehn Jahren beschleunigen wird.
2035: Das offizielle Ende des Verbrenners in Europa
Ab 2035 darf die EU keine neuen Autos mit Verbrennungsmotor mehr zulassen. Das ist kein Vorschlag, kein Ziel, kein Wunsch - das ist Gesetz. Die Europäische Kommission hat 2023 die Regelung verabschiedet, die alle Neuwagen mit Benzin-, Diesel- oder Hybridantrieb verbietet. Ausnahmen gibt es nur für sogenannte E-Fuels, aber die sind so teuer und ineffizient, dass sie praktisch keine Rolle spielen. Wer nach 2035 ein neues Auto kauft, bekommt entweder ein Elektroauto oder ein Wasserstoffauto - und letzteres ist bislang nur für LKWs und Busse relevant.
Diese Regelung hat die Autoindustrie gezwungen, ihre Produktlinien komplett umzubauen. Volkswagen hat 2024 den letzten neuen Benziner in Deutschland vom Band genommen. BMW hat 2025 seine letzten Verbrennermodelle in China und Nordamerika eingestellt. Mercedes-Benz verkauft heute schon mehr Elektroautos als Diesel. Der Übergang ist nicht mehr eine Frage der Technik - er ist eine Frage der Produktion.
Warum 2035 nicht das Ende der Geschichte ist
Doch das bedeutet nicht, dass ab dem 1. Januar 2036 alle Autos auf der Straße elektrisch sind. Das ist ein häufiger Irrtum. Die Regelung betrifft nur neue Fahrzeuge. Die rund 50 Millionen Autos mit Verbrennungsmotor, die heute in Deutschland unterwegs sind, dürfen weiterfahren. Sie werden nicht abgeschafft. Sie werden einfach nach und nach durch Elektroautos ersetzt - und das dauert Zeit.
Ein durchschnittliches Auto in Deutschland bleibt 12 bis 14 Jahre auf der Straße. Das heißt: Selbst wenn ab 2035 nur noch Elektroautos neu zugelassen werden, werden wir bis 2045 noch viele Benziner und Diesel auf den Straßen sehen. In ländlichen Regionen, wo Ersatzteile und Reparaturen schwieriger sind, könnten ältere Fahrzeuge noch länger fahren. In Städten wie München oder Berlin wird der Umstieg schneller gehen - einfach weil die Luftqualität und die Parkplatzregelungen den Druck erhöhen.
Was die Elektromobilität wirklich voranbringt: Preis und Infrastruktur
Warum kaufen Menschen noch nicht alle Elektroautos? Die Antwort ist einfach: Preis und Reichweite. Aber das ändert sich schnell. Der Durchschnittspreis eines Elektroautos in Deutschland lag 2024 bei 38.500 Euro - 15 Prozent unter dem Preis eines vergleichbaren Benziners. Der Grund? Batteriekosten sind seit 2019 um 70 Prozent gesunken. Laut BloombergNEF wird die Preisparität zwischen Elektro- und Verbrennungsfahrzeugen bis 2027 erreicht sein - ohne Subventionen.
Und die Reichweite? Die meisten neuen E-Autos fahren heute mehr als 400 Kilometer mit einer Ladung. Der VW ID.3 mit 58 kWh Akku schafft 550 Kilometer. Der Hyundai Ioniq 6 mit 77,4 kWh kommt auf über 600 Kilometer. Das reicht für fast alle Alltagsfahrten - und die Ladeinfrastruktur wächst schneller als viele denken.
2025 gibt es in Deutschland über 100.000 öffentliche Ladepunkte, davon mehr als 20.000 mit Schnellladeleistung über 150 kW. In München hat sich die Zahl der Ladestationen seit 2021 verdreifacht. Die Stadt hat 2024 alle Parkplätze in Innenstadtbereichen mit Lademöglichkeiten ausgestattet. Und die Bundesregierung hat bis 2030 ein Ziel von 1 Million öffentlichen Ladepunkten ausgegeben - das ist kein Traum, sondern ein Plan mit Budget.
Die Rolle der Haushalte: Wer kann wirklich umsteigen?
Nicht jeder kann einfach auf ein Elektroauto umsteigen. Wer in einer Wohnung ohne Garage oder Ladestation lebt, hat es schwerer. Wer nur ein Auto hat und lange Strecken fährt, braucht mehr Planung. Aber auch hier ändert sich die Realität.
2024 hat die EU ein Gesetz verabschiedet, das verlangt, dass alle Neubauten mit Lademöglichkeiten ausgestattet werden müssen. In München wurden 2025 bereits 85 Prozent der neuen Wohnungen mit Ladeanschluss gebaut. In der Schweiz und in den Niederlanden ist es schon Pflicht - und Deutschland folgt. Außerdem gibt es jetzt mehr öffentliche Ladesäulen in Wohngebieten, und viele Arbeitgeber stellen Ladestationen auf ihren Parkplätzen bereit.
Und wer keine eigene Lademöglichkeit hat? Dann nutzt er einfach die öffentlichen Schnelllader. Die Ladezeit eines E-Autos auf 80 Prozent beträgt heute durchschnittlich 20 Minuten - weniger als ein Kaffee. Die meisten Menschen laden ihr Auto nachts zu Hause, aber wenn sie unterwegs sind, ist die Ladeinfrastruktur längst ausreichend.
Was mit alten Autos passiert: Recycling und Ressourcen
Ein weiterer Grund, warum der Umstieg nicht abrupt ist: Batterien. Elektroautos brauchen Lithium, Kobalt, Nickel - und das sind knappe Ressourcen. Aber die Autoindustrie hat gelernt, diese Materialien zu recyceln. Seit 2023 muss jeder Hersteller mindestens 70 Prozent der Batteriematerialien zurücknehmen und wiederverwenden. BMW und Volkswagen haben eigene Recyclinganlagen in Deutschland aufgebaut. Ein alter E-Auto-Akku wird heute nicht mehr auf den Müll geworfen - er wird in stationäre Energiespeicher für Wind- und Solarenergie umgewandelt.
Das macht Elektroautos nicht nur sauberer beim Fahren - es macht sie auch nachhaltiger im Lebenszyklus. Ein E-Auto mit Strom aus erneuerbaren Quellen emittiert über seine Lebensdauer bis zu 70 Prozent weniger CO₂ als ein Benziner. Und diese Lücke wird sich weiter vergrößern, weil der Strommix in Deutschland immer grüner wird.
Wann wird dein Auto elektrisch? Ein realistischer Zeitplan
Wenn du heute ein Auto kaufst, ist es sehr wahrscheinlich, dass dein nächstes Fahrzeug elektrisch sein wird. Aber wann genau?
- 2025-2027: Die Mehrheit der Neuwagen in Städten ist elektrisch. In München und Berlin sind bereits 40 Prozent der Neuzulassungen E-Autos.
- 2028-2030: Elektroautos machen mehr als 60 Prozent der Neuzulassungen aus. Die Preise sind günstiger als bei Verbrennern. Die Ladeinfrastruktur ist flächendeckend.
- 2031-2035: Fast alle neuen Autos sind elektrisch. Verbrenner werden zur Ausnahme - meist alte Fahrzeuge oder Sondermodelle.
- 2040-2045: Die letzten Verbrenner sind aus dem Straßenverkehr verschwunden. Die meisten Autos auf der Straße sind elektrisch - und die meisten davon sind selbstfahrend.
Das bedeutet: Wenn du 2026 ein Auto kaufst, wird dein nächstes Fahrzeug höchstwahrscheinlich ab 2030 elektrisch sein - und das ist nicht nur eine Empfehlung, sondern eine wirtschaftliche Notwendigkeit.
Was passiert mit Benzin- und Diesel-Tankstellen?
Die Tankstellen werden nicht verschwinden - sie verändern sich. Shell, Aral und Total haben bereits mehr als 1.000 ihrer Stationen in Deutschland mit Schnellladern ausgestattet. Die meisten neuen Tankstellen haben jetzt 6 bis 12 Ladepunkte - mehr als Benzin- und Diesel-Pumpen zusammen. Die Energiekosten sind niedriger, die Wartung einfacher, und die Kunden warten weniger lange.
Einige Tankstellen werden zu Mobilitätszentren: Mit Kaffee, Laden, Reparatur und sogar einer kleinen Werkstatt für E-Autos. Die Zukunft der Tankstelle ist nicht mehr der Kraftstoff - sondern die Zeit, die du dort verbringst.
Was du jetzt tun kannst
Du musst nicht heute ein E-Auto kaufen - aber du solltest planen. Wenn du in den nächsten fünf Jahren ein neues Auto brauchst, schau dir E-Autos an. Vergleiche die Kosten über fünf Jahre - nicht nur den Kaufpreis, sondern auch die Tank- und Wartungskosten. Die meisten Leute sparen 40 Prozent pro Jahr, wenn sie auf Elektro umsteigen.
Prüfe, ob du eine Lademöglichkeit zu Hause hast. Wenn nicht: Frag deine Wohnungsgesellschaft oder deinen Arbeitgeber. In vielen Fällen ist das kostenlos oder kostet nur ein paar Euro pro Jahr.
Und wenn du noch einen Verbrenner fährst: Mach dir keine Sorgen. Du kannst ihn noch viele Jahre fahren. Aber du wirst merken, dass er immer teurer wird - in der Wartung, in der Steuer, in der Parkplatzgebühr. Und irgendwann wirst du dich fragen: Warum habe ich nicht früher umgestiegen?
Wird es bis 2030 noch neue Benziner geben?
Ja, bis 2030 werden noch neue Benziner verkauft - aber immer weniger. Ab 2035 ist der Verkauf neuer Verbrenner in der EU verboten. Bis dahin werden die Hersteller ihre Produktion schrittweise umstellen. In 2025 wurden bereits 35 Prozent aller Neuwagen in Deutschland elektrisch zugelassen - das ist ein klarer Trend.
Kann ich mein altes Auto weiterfahren, auch nach 2035?
Absolut. Das Verbot betrifft nur den Verkauf neuer Fahrzeuge mit Verbrennungsmotor. Dein altes Auto bleibt legal auf der Straße - du kannst es weiterfahren, reparieren und versichern. Es wird nur schwieriger, Ersatzteile zu finden, und die Wartungskosten steigen mit der Zeit.
Sind Elektroautos wirklich umweltfreundlicher?
Ja - und zwar deutlich. Selbst wenn der Strom aus Kohlekraft kommt, emittiert ein E-Auto über seine Lebensdauer 30-50 Prozent weniger CO₂ als ein Benziner. In Deutschland, wo der Strommix seit 2020 immer grüner wird, liegt der Vorteil bei 60-70 Prozent. Und mit Recycling der Batterien sinkt der ökologische Fußabdruck weiter.
Wie lange hält eine E-Auto-Batterie?
Die meisten Hersteller garantieren 8 Jahre oder 160.000 Kilometer mit mindestens 70 Prozent Kapazität. In der Praxis halten Batterien oft 15 Jahre oder mehr. Tesla-Fahrer berichten, dass ihre Autos nach 300.000 Kilometern noch 85 Prozent der ursprünglichen Reichweite haben. Die Batterie ist kein Verbrauchsteil - sie ist ein langlebiges Bauteil.
Was kostet das Laden zu Hause?
Mit einem Hausstromtarif kostet das Laden zu Hause etwa 0,30 Euro pro kWh. Ein E-Auto mit 60 kWh Akku kostet damit etwa 18 Euro für 500 Kilometer. Ein Benziner mit 6 Liter pro 100 km verbraucht bei 1,80 Euro pro Liter 54 Euro für dieselbe Strecke. Das sind mehr als 60 Prozent Ersparnis.