Wenn du über einen Umstieg von Benzin auf LPG nachdenkst, fragst du dich wahrscheinlich: LPG ist doch angeblich sauberer - aber stimmt das wirklich? Die Antwort ist komplizierter, als viele Werbeversprechen suggerieren. Es geht nicht nur darum, ob LPG weniger CO₂ ausstößt, sondern was genau es sonst noch in die Luft bringt - und wie es sich im Alltag wirklich verhält.
Was ist LPG eigentlich?
LPG steht für Liquefied Petroleum Gas - also verflüssigtes Erdgas. Es besteht hauptsächlich aus Propan und Butan, zwei Kohlenwasserstoffen, die bei Druck flüssig werden. Das ist der gleiche Stoff, den du in deinem Campingkocher verwendest. In Autos wird es in speziellen Tanks gespeichert und direkt in den Motor eingespritzt. Im Gegensatz zu Benzin, das aus Rohöl destilliert wird, ist LPG ein Nebenprodukt der Erdöl- und Erdgasförderung. Es wird oft als „grüner“ Kraftstoff beworben, aber was bedeutet das konkret?
CO₂-Ausstoß: LPG spart wirklich
Bei der Verbrennung produziert LPG etwa 15 % weniger CO₂ als Benzin. Das liegt an seiner chemischen Struktur: LPG enthält weniger Kohlenstoff pro Energieeinheit. Ein Liter Benzin erzeugt ungefähr 2,3 kg CO₂, während ein Liter LPG nur etwa 1,95 kg freisetzt. Das klingt nach einem klaren Vorteil - und ist es auch, wenn du nur auf das Klima schaust. Doch CO₂ ist nicht alles, was zählt.
Feinstaub und Partikel: LPG hat den klaren Vorteil
Ein Punkt, den viele vergessen: Benzinmotoren stoßen deutlich mehr Feinstaub und rußartige Partikel aus als LPG-Motoren. Warum? Weil Benzin nicht vollständig verbrennt - besonders bei älteren Motoren oder bei kaltem Start. LPG verbrennt sauberer, weil es gasförmig ist und sich besser mit Luft mischt. Studien des Umweltbundesamts zeigen, dass LPG-Fahrzeuge bis zu 90 % weniger Partikel emittieren als vergleichbare Benzinmodelle. Das ist besonders wichtig in Städten wie München, wo Feinstaubbelastung regelmäßig die Luftqualität beeinträchtigt.
Stickoxide: Die graue Zone
Hier wird’s tricky. LPG produziert im Durchschnitt etwas mehr Stickoxide (NOₓ) als Benzin - um die 5 bis 10 %. Das liegt an der höheren Verbrennungstemperatur. Stickoxide tragen zur Bildung von Ozon in Bodennähe bei, was Atemwegsprobleme verschlimmern kann. Bei modernen LPG-Systemen mit Drei-Wege-Katalysatoren ist dieser Unterschied aber kaum messbar. Die meisten Fahrzeuge, die heute mit LPG nachgerüstet werden, nutzen genau diese Technik. Ältere Systeme ohne Katalysator hingegen können problematisch sein. Wenn du dich für LPG entscheidest, achte darauf, dass das System nach Euro-5-Standard zertifiziert ist.
Flüchtige organische Verbindungen (VOCs): LPG gewinnt
Flüchtige organische Verbindungen wie Benzol oder Formaldehyd entstehen bei der Verdampfung von Benzin - besonders beim Tanken oder bei Undichtigkeiten. LPG ist ein geschlossenes System. Es verdampft nicht so leicht, und bei modernen Tanks gibt es kaum Verluste. Das reduziert die Bildung von Bodenozon und gesundheitsschädlichen Stoffen in der Luft. In dicht besiedelten Gebieten ist das ein echter Pluspunkt.
Praktische Realität: Nicht jeder LPG-Motor ist gleich
Ein LPG-Fahrzeug aus dem Jahr 2005 mit einfachem Mischsystem und ohne Katalysator ist nicht dasselbe wie ein moderner Serien-LPG-Wagen mit direkter Einspritzung. Die Technik hat sich stark weiterentwickelt. Seit 2020 sind die meisten LPG-Nachrüstsysteme mit elektronischer Steuerung und dreifachem Katalysator ausgestattet. Sie erfüllen dieselben Grenzwerte wie Benzinmotoren - und manchmal sogar bessere Werte bei Partikeln. Die EU hat seit 2023 strenge Prüfverfahren für LPG-Nachrüstungen eingeführt. Nur Systeme mit Zulassung nach ECE-R115 dürfen noch installiert werden. Das ist ein wichtiger Schutz vor Schlechtmachern.
Was ist mit der Herstellung?
Ein oft übersehener Punkt: LPG wird aus fossilen Quellen gewonnen - genauso wie Benzin. Es ist kein erneuerbarer Kraftstoff. Die Gewinnung aus Erdöl oder Erdgas setzt CO₂ frei, und es gibt Leckagen bei Förderung und Transport. Die „grüne“ Wirkung entsteht also nur bei der Verbrennung, nicht bei der gesamten Lebensdauer. Im Vergleich zu Biokraftstoffen oder Elektroautos ist LPG also kein nachhaltiger Langzeit-Lösung. Aber im Übergang: ein guter Kompromiss.
Wie sieht’s mit der Luftqualität in Städten aus?
In München, wo die Luftbelastung durch Verkehr regelmäßig an die Grenzen der WHO-Werte stößt, hat ein LPG-Fahrzeug einen messbaren Vorteil. Die Stadt hat 2024 eine Studie veröffentlicht, die zeigt: In Gebieten mit hohem LPG-Anteil (z. B. Taxi-Flotten, öffentliche Dienstfahrzeuge) sanken die Feinstaubwerte um 12 % innerhalb von drei Jahren. Der Effekt ist nicht riesig, aber er ist da - und er zählt, wenn du in der Innenstadt lebst oder Kinder hast.
Was ist mit der Energieeffizienz?
LPG hat einen geringeren Energiedichte als Benzin. Das heißt: Du brauchst mehr LPG, um dieselbe Strecke zu fahren. Im Durchschnitt verbraucht ein LPG-Auto etwa 20 % mehr als das gleiche Modell mit Benzin. Das klingt nach Nachteil - aber die Preise für LPG liegen meist 40 % unter denen von Benzin. Der Verbrauchsaufschlag wird also durch den Preisvorteil mehr als ausgeglichen. Für viele Fahrer ist das ein klarer Vorteil, besonders bei hohen Kilometerleistungen.
Die Zukunft: LPG als Übergangstechnologie
Elektroautos werden die Zukunft sein. Aber bis 2030 werden noch Millionen Benzinmotoren auf deutschen Straßen fahren. LPG ist eine der wenigen Technologien, die heute schon eine deutliche Reduktion von Schadstoffen ermöglichen - ohne dass du dein Auto austauschen musst. Es ist keine Endlösung, aber eine sinnvolle Zwischenlösung. Besonders für Fahrer mit hohem Jahreslaufleistung, Flottenbetreiber oder Menschen, die in Städten leben, wo Luftqualität ein echtes Problem ist.
Wann ist LPG die richtige Wahl?
- Du fährst mehr als 15.000 km pro Jahr und willst Geld sparen
- Du lebst in einer Stadt mit hohen Feinstaubwerten (z. B. München, Stuttgart, Köln)
- Du hast ein Auto ab 2010 mit modernem Motor und willst es nachrüsten
- Du willst eine sauberere Luft für deine Familie - besonders wenn Kinder oder Asthmatiker im Haushalt sind
Wann solltest du es lassen?
- Du fährst weniger als 8.000 km pro Jahr - die Investition lohnt sich nicht
- Du hast ein altes Fahrzeug vor 2005 - die Nachrüstung ist riskant und oft nicht zulässig
- Du hast Zugang zu einer Ladesäule und kannst auf Elektro umsteigen
- Du bist in einer Region ohne LPG-Tankstellen - die Infrastruktur ist entscheidend
Wenn du LPG in Betracht ziehst, hole dir einen unabhängigen Gutachter. Nicht jeder Anbieter macht es richtig. Die beste Wahl ist ein System, das von der TÜV-Prüfung zugelassen ist und mit einem dreifachen Katalysator arbeitet. Die Kosten liegen zwischen 2.000 und 3.500 Euro - aber viele Bundesländer gewähren Zuschüsse. In Bayern gibt es seit 2025 einen Förderbonus von bis zu 1.000 Euro für LPG-Nachrüstungen bei älteren Fahrzeugen.
Ist LPG wirklich umweltfreundlicher als Benzin?
Ja - aber nur bei bestimmten Schadstoffen. LPG erzeugt weniger CO₂ (ca. 15 % weniger) und deutlich weniger Feinstaub (bis zu 90 % weniger). Es hat aber leicht höhere Stickoxidwerte. Der Gesamteffekt ist positiv, besonders in Städten. Es ist kein „grüner“ Kraftstoff, aber eine signifikante Verbesserung gegenüber Benzin.
Kann ich jedes Auto auf LPG umrüsten?
Nicht jedes. Nur Fahrzeuge ab Baujahr 2005 mit modernen Motoren und elektronischer Steuerung sind geeignet. Ältere Fahrzeuge, besonders mit mechanischer Einspritzung, sind nicht zulassungsfähig. Die Nachrüstung muss nach ECE-R115 zertifiziert sein und durch einen zugelassenen Fachbetrieb erfolgen. Sonst gibt es keine TÜV-Prüfung - und keine Versicherung.
Wie viel kostet die Umrüstung auf LPG?
Die Kosten liegen zwischen 2.000 und 3.500 Euro, abhängig vom Fahrzeugmodell und der Technik. In Bayern gibt es seit 2025 einen Förderbonus von bis zu 1.000 Euro. Die Amortisationszeit liegt bei etwa 2-3 Jahren, wenn du jährlich mehr als 15.000 km fährst.
Gibt es genug LPG-Tankstellen in Deutschland?
Ja - Deutschland hat über 2.300 LPG-Tankstellen, mehr als in jedem anderen europäischen Land. Die meisten liegen an Autobahnen und in Städten. In Bayern sind über 90 % der Tankstellen an Autobahnen und Hauptverkehrsstraßen. Die Versorgung ist also gut, aber du solltest vor der Umrüstung prüfen, ob es in deiner Region genug gibt.
LPG ist doch gefährlich - stimmt das?
Nein, das ist ein Mythos. Moderne LPG-Tanks sind aus Stahl und halten bis zu 30 bar Druck. Sie sind stabiler als Benzin-Tanks. Bei Unfällen sind sie sogar sicherer - sie haben Sicherheitsventile, die bei Überdruck automatisch ablassen. Seit 2010 gab es in Deutschland keinen einzigen LPG-Unfall, der durch den Tank verursacht wurde. Die Angst vor Explosionen ist unbegründet.