Ein Elektroauto zu kaufen, klingt wie die perfekte Lösung für Klimaschutz, niedrigere Kosten und moderne Technik. Aber sollte wirklich jeder eines haben? Die Antwort ist einfacher, als viele denken: Nein. Nicht jeder profitiert davon - und manchmal macht ein Benzinauto noch mehr Sinn.
Elektroautos sind nicht für alle Strecken geeignet
Wenn du täglich 50 Kilometer zur Arbeit fährst, dein Auto meistens in der Garage steht und du eine Lademöglichkeit zu Hause hast, dann ist ein Elektroauto ideal. Aber was, wenn du zweimal die Woche 300 Kilometer auf der Autobahn zurücklegst? Oder wenn du in einer Wohnung ohne Garage lebst und keine Möglichkeit hast, dein Auto zu laden? Dann wird es schwierig.
Im Jahr 2025 gibt es in Deutschland noch immer weniger als 100.000 öffentliche Schnelllader - und viele davon sind defekt, blockiert oder nur für bestimmte Fahrzeuge freigegeben. In ländlichen Gebieten ist die Ladeinfrastruktur oft noch schlechter als vor fünf Jahren. Ein Elektroauto ist kein Luxusgut mehr - aber es ist kein Allheilmittel. Wer nur ein Auto braucht und oft weit fährt, bleibt mit einem Benziner oder Diesel flexibler. Und das ist okay.
Die Umweltbilanz ist komplizierter als sie scheint
Elektroautos stoßen unterwegs keine CO₂ aus. Das ist richtig. Aber woher kommt der Strom? Wenn du dein Auto mit Strom aus Kohlekraftwerken lädst, dann ist die Bilanz nicht besser - und oft sogar schlechter - als bei einem modernen Benziner. In Deutschland ist der Anteil erneuerbarer Energien zwar gestiegen, aber der Strommix ist immer noch ein Gemisch aus Wind, Sonne, Gas und Kohle.
Und dann gibt es noch die Produktion. Eine Elektroauto-Batterie benötigt Lithium, Kobalt und Nickel. Der Abbau dieser Rohstoffe verursacht massive Umweltschäden, besonders in Kongo, Chile und Australien. Die Herstellung eines Elektroautos emittiert bis zu 70 % mehr CO₂ als die eines Benziners - und das, bevor es überhaupt losfährt. Erst nach etwa 50.000 bis 80.000 Kilometern fährt es sich klimaneutral. Wer nur 10.000 Kilometer pro Jahr fährt, braucht acht Jahre, um diesen Ausgleich zu erreichen. Ist das für dich realistisch?
Die Kosten sind nicht immer niedriger
Ein Elektroauto ist teurer im Kauf. Ein VW ID.3 kostet heute rund 28.000 Euro - ein Golf mit Benzinmotor für 22.000 Euro. Die Differenz von 6.000 Euro wird nicht durch geringere Betriebskosten ausgeglichen, wenn du nicht regelmäßig fährst. Strom kostet zwar weniger als Benzin - aber nur, wenn du zu Hause lädst. An öffentlichen Schnellladern zahlt du bis zu 0,79 Euro pro kWh - das ist teurer als Benzin pro Liter.
Und was ist mit der Versicherung? Elektroautos sind oft 15-25 % teurer in der Haftpflicht. Die Reparaturkosten sind höher, weil die Technik komplexer ist. Eine defekte Batterie kostet bis zu 10.000 Euro - und die Garantie läuft oft nach acht Jahren ab. Wer sein Auto nach fünf Jahren verkauft, verliert mehr Wert als bei einem Benziner. Die Tatsache, dass Elektroautos billiger zu betreiben sind, gilt nur für diejenigen, die viele Kilometer fahren und lange halten.
Was ist mit Winter und Kälte?
Im Winter verliert ein Elektroauto bis zu 40 % seiner Reichweite. Bei minus 10 Grad wird die Batterie langsamer, die Heizung frisst Energie - und du musst häufiger laden. In Norwegen, wo Elektroautos am häufigsten sind, nutzen viele Fahrer trotzdem noch einen zweiten Verbrenner im Winter. In Deutschland, wo die Temperaturen oft unter null liegen, ist das kein Problem der Zukunft - es ist ein Problem heute.
Und was passiert, wenn du in den Urlaub fährst? In den Alpen, an der Ostsee oder in den Süden Europas - die Ladesäulen sind oft veraltet, schlecht markiert oder einfach nicht da. Ein Benziner tankt in 5 Minuten und fährt weiter. Ein Elektroauto wartet 30 Minuten - und das, wenn du nur eine halbe Stunde Pause hast.
Elektroautos machen Sinn - aber nur für bestimmte Menschen
Wer folgende Kriterien erfüllt, profitiert wirklich von einem Elektroauto:
- Fährt täglich 30-100 Kilometer
- Hat eine Lademöglichkeit zu Hause oder am Arbeitsplatz
- Hält das Auto mindestens 8 Jahre
- Lebt in einer Region mit guter Ladeinfrastruktur
- Fährt hauptsächlich in der Stadt oder auf kurzen Strecken
Wer das nicht erfüllt, zahlt mehr, ist weniger flexibel und trägt nicht wesentlich zur Umweltbilanz bei. Ein Hybridauto, ein effizienter Benziner oder sogar ein gut gepflegter Diesel sind in vielen Fällen die bessere Wahl - und das, obwohl sie nicht „modern“ klingen.
Was kommt als Nächstes?
Die Zukunft der Mobilität liegt nicht nur in Elektroautos - sondern in der Kombination aus verschiedenen Lösungen. Wer in der Stadt lebt, nutzt vielleicht bald ein E-Bike oder einen E-Scooter. Wer viel fährt, könnte auf Wasserstoff setzen - wenn die Technik reif wird. Wer nur selten Auto fährt, könnte auf Carsharing oder öffentliche Verkehrsmittel umsteigen.
Elektroautos sind ein Teil der Lösung - aber nicht die einzige. Die Idee, dass jeder ein Elektroauto haben sollte, ist eine Marketinggeschichte. Die Realität ist komplexer. Es geht nicht darum, welches Auto am „grünen“ ist - sondern welches für dich passt.
Was ist mit gebrauchten Elektroautos?
Ein gebrauchtes Elektroauto von 2020 kostet heute oft weniger als ein vergleichbarer Benziner. Aber Achtung: Die Batterie ist dann 5-6 Jahre alt. Die Kapazität ist um 10-15 % gesunken - und die Garantie ist meist abgelaufen. Wer ein gebrauchtes Elektroauto kauft, sollte immer eine Batterie-Prüfung machen lassen. Ein Fahrzeug mit 80 % Restkapazität ist noch gut - bei 70 % oder darunter wird es riskant. Die meisten Hersteller garantieren 70 % nach acht Jahren. Wer das nicht erreicht, hat ein Problem.
Elektroautos sind kein Muss - aber eine Option
Es gibt keinen moralischen Zwang, ein Elektroauto zu kaufen. Wer es kann, sollte es vielleicht tun - aber nicht, weil es „richtig“ ist. Sondern weil es für ihn passt. Wer nicht fährt, braucht kein Auto. Wer viel fährt, braucht vielleicht einen Hybrid. Wer in der Stadt lebt, braucht vielleicht gar kein Auto.
Die beste Entscheidung ist keine, die von der Mode bestimmt wird. Die beste Entscheidung ist die, die zu deinem Leben passt - nicht zu den Werbespots.
Sollte ich mein altes Benzinauto durch ein Elektroauto ersetzen?
Nur, wenn du regelmäßig fährst (mindestens 15.000 Kilometer pro Jahr), eine Lademöglichkeit hast und das neue Auto mindestens acht Jahre behalten willst. Sonst ist es wirtschaftlich und ökologisch sinnvoller, das alte Auto weiterzufahren - besonders wenn es einen modernen Motor hat. Ein neues Elektroauto hat eine hohe Umweltbelastung bei der Produktion - und die sollte sich lohnen.
Ist ein Elektroauto in der Stadt wirklich besser?
Ja - aber nur, wenn du in einer Stadt mit guter Ladeinfrastruktur lebst und nicht ständig lange Strecken fährst. Elektroautos sind leiser, haben niedrigere Betriebskosten und stoßen in der Stadt keine Abgase aus. Das macht sie ideal für Kurzstrecken, Pendler und Stadtbewohner mit Garage. Wer nur ab und zu in die Stadt fährt, braucht aber kein Elektroauto.
Was ist mit Plug-in-Hybriden - sind die eine gute Alternative?
Plug-in-Hybride sind eine Übergangslösung - aber nur, wenn du sie auch wirklich mit Strom fährst. Viele Nutzer tanken sie mit Benzin und nutzen die Elektrofahrt kaum. Dann sind sie schwerer, teurer und ineffizienter als normale Benziner. Wenn du aber täglich 50 Kilometer elektrisch fahren kannst und nur selten lange Strecken machst, dann sind sie eine sinnvolle Wahl.
Kann ich ein Elektroauto im Winter sicher fahren?
Ja - aber du musst planen. Die Reichweite sinkt, das Laden dauert länger und die Heizung frisst Energie. Führe immer eine Reserve von 20-30 % ein. Lade vor langen Fahrten voll - und nutze die Vorklimatisierung, wenn du zu Hause lädst. Mit diesen Tricks ist Winterfahren mit Elektroautos machbar - aber nicht so einfach wie mit Benzin.
Wird es bald verboten, Benzinautos zu fahren?
Nein. In Deutschland wird es kein generelles Fahrverbot für Benziner geben. Die EU plant zwar, ab 2035 keine neuen Verbrenner mehr zuzulassen - aber bestehende Autos dürfen weiterhin gefahren werden. Du musst dein Auto nicht abgeben. Die Diskussion dreht sich um Neuzulassungen, nicht um Verbote für bestehende Fahrzeuge.
Was solltest du jetzt tun?
Stell dir diese drei Fragen:
- Wie viele Kilometer fährst du pro Jahr?
- Hast du eine sichere, günstige Möglichkeit, zu Hause zu laden?
- Willst du das Auto mindestens acht Jahre behalten?
Wenn du zwei von drei mit „Ja“ beantwortest - dann ist ein Elektroauto eine gute Wahl. Wenn du nur eine oder gar keine Antwort mit „Ja“ hast - dann warte. Oder wähle einen Hybrid, einen effizienten Benziner oder gar kein Auto. Es gibt keinen Grund, dich von der Technik zwingen zu lassen - nur weil es „modern“ klingt.