Was verschmutzt mehr: Erdgas oder Propan?

Was verschmutzt mehr: Erdgas oder Propan?
Jan 18, 2026

Wenn du dich für einen gasförmigen Brennstoff für dein Auto, deine Heizung oder deinen Grill entscheidest, stellst du dir vielleicht die Frage: Was verschmutzt mehr - Erdgas oder Propan? Beide werden oft als „sauberere“ Alternativen zu Benzin oder Diesel beworben. Aber sauber ist nicht gleich sauber. Die Wahrheit liegt in den Zahlen - und die sind überraschend.

Was ist Erdgas und was ist Propan?

Erdgas ist hauptsächlich Methan (CH₄). Es kommt aus unterirdischen Lagerstätten und wird über Pipelines transportiert. In Deutschland wird es oft als CNG (Compressed Natural Gas) für Autos genutzt. Propan (C₃H₈) ist ein Bestandteil von Flüssiggas (LPG). Es wird während der Erdölverarbeitung oder bei der Erdgasförderung gewonnen und in Druckflaschen abgefüllt. Beide sind fossile Brennstoffe - aber sie haben unterschiedliche chemische Aufbauten. Und das macht den Unterschied.

CO₂-Emissionen: Wer spuckt mehr aus?

Beim Verbrennen entsteht immer Kohlendioxid. Aber wie viel? Pro Kilowattstunde (kWh) Energie:

  • Erdgas (Methan): etwa 185 Gramm CO₂
  • Propan: etwa 200 Gramm CO₂

Das klingt nach wenig - aber wenn du bedenkst, dass ein durchschnittlicher Haushalt in Deutschland pro Jahr rund 15.000 kWh Energie verbraucht, dann macht das einen Unterschied von mehr als 225 Kilogramm CO₂ pro Jahr aus. Propan emittiert also etwa 8 % mehr CO₂ als Erdgas. Bei Autos ist der Unterschied ähnlich: Ein Fahrzeug mit Propanantrieb gibt pro 100 km etwa 1,2 kg CO₂ mehr aus als eines mit Erdgas.

Methanlecks: Der unterschätzte Klimakiller

Erdgas ist nicht nur CO₂. Es ist auch Methan - und Methan ist bis zu 84-mal klimaschädlicher als CO₂, wenn es innerhalb von 20 Jahren in die Luft entweicht. Bei der Förderung, dem Transport und der Verteilung von Erdgas entweichen jedes Jahr weltweit Millionen Tonnen Methan. In Deutschland sind diese Lecks weniger dramatisch als in den USA oder Russland, aber sie sind da. Ein einziger undichter Ventil kann so viel Methan freisetzen wie ein Auto in einem ganzen Jahr an CO₂ ausstößt.

Propan hingegen ist in Flaschen abgefüllt und wird meist direkt vor Ort verbraucht - etwa auf dem Campingplatz oder im Garten. Die Leckage-Raten sind deshalb deutlich niedriger. Es gibt kaum dokumentierte Fälle von massiven Propan-Lecks in der Infrastruktur. Das macht Propan in puncto Methan-Emissionen oft die sauberere Wahl - selbst wenn es mehr CO₂ produziert.

Vergleich von Erdgas-Pipeline mit Methanlecks und Propan-Flaschen ohne Leckagen.

Andere Schadstoffe: Feinstaub, Stickoxide, Ruß

Beide Gase verbrennen sauberer als Benzin. Aber nicht gleich sauber. Erdgas verbrennt fast ohne Ruß und mit sehr wenig Stickoxiden (NOₓ). Propan verbrennt ebenfalls sauber, aber bei unvollständiger Verbrennung - etwa bei schlecht justierten Heizungen oder Grillgeräten - entstehen mehr Feinstaubpartikel und unverbrannte Kohlenwasserstoffe.

Studien des Umweltbundesamts zeigen: Bei modernen Erdgas-Heizungen liegt die NOₓ-Emission bei unter 20 mg/kWh. Bei Propan-Heizungen liegt sie oft bei 30-40 mg/kWh, besonders wenn die Anlage nicht regelmäßig gewartet wird. Für Menschen mit Atemwegserkrankungen in städtischen Gebieten ist das kein kleiner Unterschied.

Praktische Anwendungen: Auto, Heizung, Grill

Was ist besser - für dein Auto, deine Wohnung oder deinen Grill?

  • Auto: Erdgas ist in Deutschland weiter verbreitet und hat ein besseres Tankstellennetz. Propan ist günstiger im Tank, aber die Fahrzeuge sind seltener und die Leistung leicht geringer. Für den täglichen Einsatz ist Erdgas die stabilere Wahl.
  • Heizung: Wenn du neu einbaust, entscheidet die Infrastruktur. In Städten mit Erdgasleitung ist Erdgas die einfachere Option. In ländlichen Gebieten, wo keine Pipeline kommt, ist Propan die einzige Möglichkeit - und dann ist es die bessere Wahl, weil du keine Methanlecks aus der Ferne in Kauf nimmst.
  • Grill: Propan ist hier König. Es ist leichter zu lagern, verbrennt heißer und lässt sich besser regeln. Die CO₂-Bilanz ist schlechter - aber du verbrennst nur ein paar Stunden pro Monat. Der Gesamteffekt ist minimal. Hier zählt mehr: Komfort und Sicherheit.
Grill mit Propanflasche im Garten, dahinter Stadt und Windkraftanlagen.

Die Wahrheit: Es kommt auf den Kontext an

Propan verschmutzt mehr CO₂ - aber weniger Methan. Erdgas verschmutzt weniger CO₂ - aber kann viel mehr Methan freisetzen. Es gibt keine einfache Antwort. Wenn du in einer Stadt mit guter Erdgasversorgung lebst und deine Heizung regelmäßig warten lässt, ist Erdgas die bessere Wahl. Wenn du in einem abgelegenen Haus lebst, wo nur Propan kommt, und du die Flaschen selbst wechselst, dann ist Propan die praktischere und oft auch umweltfreundlichere Option.

Die größte Verschmutzung entsteht nicht beim Verbrennen - sondern bei der Förderung und dem Transport. Und das ist bei Erdgas viel größer. Wenn du also wirklich umweltfreundlich handeln willst: Reduziere den Verbrauch. Nutze Wärmepumpen. Nutze Solar. Denn kein fossiler Brennstoff ist wirklich sauber - nur manche sind weniger schlimm.

Was ist die beste Wahl für dich?

Frage dich:

  • Hast du Zugang zu einer Erdgasleitung? Dann nimm Erdgas - aber sorge für eine moderne, wartungsgeprüfte Anlage.
  • Lebst du abgelegen? Dann ist Propan deine einzige Option - und du kannst es gut nutzen, wenn du auf Qualität achtest.
  • Benutzt du es nur sporadisch (z. B. Grill)? Dann ist der Unterschied so klein, dass Komfort und Sicherheit wichtiger sind.
  • Willst du wirklich etwas ändern? Dann überlege, ob du nicht auf erneuerbare Energie umsteigen kannst. Das ist der einzige Weg, der wirklich zählt.

Beide Gase sind Übergangslösungen. Sie sind besser als Benzin - aber nicht gut genug für eine klimasichere Zukunft. Die richtige Frage ist nicht, welches Gas weniger schadet. Die richtige Frage ist: Wie schnell kannst du von beiden wegkommen?

Ist Propan gefährlicher als Erdgas?

Beide Gase sind bei korrekter Handhabung sicher. Propan ist schwerer als Luft und sammelt sich im Bodenbereich - das kann bei Undichtigkeiten zu einer explosionsfähigen Mischung führen. Erdgas ist leichter als Luft und steigt auf. Deshalb ist ein Leck in der Decke weniger gefährlich als eines am Boden. Aber moderne Gaswarner und korrekt installierte Anlagen minimieren das Risiko bei beiden.

Kann man Erdgas und Propan im selben Gerät verwenden?

Nein. Die Druckverhältnisse und Verbrennungseigenschaften sind unterschiedlich. Ein Gerät, das für Erdgas ausgelegt ist, kann mit Propan nicht einfach betrieben werden - es droht unvollständige Verbrennung, Rußbildung und sogar Explosion. Umstellen ist nur mit speziellen Wechselkit-Systemen möglich und muss von einem Fachmann durchgeführt werden.

Ist Propan teurer als Erdgas?

Propan ist in der Regel teurer pro Kilowattstunde - etwa 20 bis 30 % mehr als Erdgas. Aber es ist oft günstiger, weil du keine Leitungsgebühren zahlst. In ländlichen Gebieten kann Propan trotz höherem Preis insgesamt günstiger sein, weil du keine Anschlusskosten für Erdgas tragen musst.

Welches Gas ist besser für den Klimaschutz?

Wenn du nur auf CO₂ schaust, ist Erdgas besser. Wenn du auch Methanlecks berücksichtigst, ist Propan oft die bessere Wahl - besonders wenn die Infrastruktur nicht perfekt ist. Aber beide sind fossile Brennstoffe. Der beste Klimaschutz kommt von der Umstellung auf erneuerbare Energien wie Wärmepumpen oder Solarthermie.

Wie lange wird Erdgas noch verfügbar sein?

Die globalen Reserven reichen noch etwa 50 bis 60 Jahre - aber die Förderung wird immer schwieriger und teurer. In Deutschland wird Erdgas zunehmend durch Biogas und Wasserstoff ersetzt. Die Zukunft liegt nicht in mehr Erdgas, sondern in der Transformation bestehender Systeme.

Lukas Ehrlichmann

Lukas Ehrlichmann

Ich bin ein Automobil-Experte mit großer Leidenschaft für die neuesten Trends und Technologien in der Branche. Meine Spezialität liegt in der Bewertung und Analyse von Fahrzeugen sowie in der Fortbildung über umweltschonende Antriebe. Ich schreibe gerne informative Artikel und Blogposts über grüne Energie und wie diese die Automobilindustrie revolutioniert.