Wenn es um die sauberste Energiequelle geht, hört man oft: Elektrizität aus Wind oder Sonne. Aber was ist mit Gas und LPG? Viele denken, dass diese Brennstoffe nur altmodisch und verschmutzend sind. Doch das stimmt nicht immer. In vielen Anwendungen - besonders im Verkehr und in der Heizung - sind Gas und LPG heute deutlich sauberer, als viele glauben. Die Frage ist nicht einfach „Welches ist besser?“, sondern „Wann und wo ist welches die sauberste Wahl?“
Was macht eine Energiequelle „sauber“?
„Sauber“ klingt einfach, ist aber kompliziert. Eine Energiequelle gilt als sauber, wenn sie wenig CO₂ ausstößt, kaum Luftschadstoffe wie Stickoxide oder Feinstaub produziert und ihre Gewinnung und Nutzung wenig Umweltschäden verursacht. Es geht nicht nur um das, was aus dem Auspuff kommt, sondern auch um das, was beim Abbau, Transport und Verarbeitung passiert.
Gas (Erdgas) und LPG (Flüssiggas) sind beide fossile Brennstoffe. Aber sie unterscheiden sich stark in ihrer chemischen Zusammensetzung und ihren Emissionen. Erdgas besteht zu über 90 % aus Methan, LPG ist hauptsächlich Propan und Butan. Diese kleinen Unterschiede haben große Auswirkungen.
Erdgas: Die sauberste Form von fossiler Energie
Erdgas ist der sauberste fossile Brennstoff, den wir heute massenhaft nutzen. Im Vergleich zu Kohle oder Öl produziert es bei der Verbrennung bis zu 50 % weniger CO₂. Bei modernen Heizungen und Motoren liegt die CO₂-Emission pro kWh bei etwa 200 Gramm - das ist halb so viel wie bei Heizöl und rund 30 % weniger als bei Benzin.
Was noch wichtiger ist: Erdgas verbrennt nahezu rußfrei. Das bedeutet praktisch keine Feinstaubemissionen. Kein schwarzer Rauch, keine Partikel, die in die Lunge gelangen. In Städten wie München, wo Luftqualität ein großes Thema ist, macht das einen Unterschied. Laut dem Umweltbundesamt hat Erdgas die niedrigsten Stickoxid-Emissionen aller fossilen Brennstoffe - sogar niedriger als Diesel.
Die Gewinnung von Erdgas ist nicht perfekt. Methan ist ein starkes Treibhausgas. Wenn es während der Förderung oder im Transportleitungsnetz entweicht, kann es das Klima schädigen. Aber in Deutschland ist das Leitungsnetz hochmodern. Verluste liegen unter 0,5 % - besser als in fast jedem anderen Land der Welt.
LPG: Die praktische Alternative
LPG, also Flüssiggas, wird oft als „Auto-Gas“ verstanden. Es ist ein Nebenprodukt der Erdölverarbeitung oder der Erdgasförderung. Im Vergleich zu Benzin reduziert LPG die CO₂-Emissionen um 15-20 %. Im Vergleich zu Diesel sind es sogar bis zu 25 % weniger Stickoxide und 90 % weniger Feinstaub.
Ein großer Vorteil von LPG: Es lässt sich leicht lagern und transportieren. Das macht es ideal für ländliche Gebiete, wo kein Erdgasnetz existiert. Viele Haushalte in Bayern nutzen LPG für Heizung und Kochen - besonders in Regionen wie dem Allgäu oder dem Chiemgau. Hier ist es oft die einzige praktische Alternative zu Elektrizität aus dem Netz.
Aber LPG hat auch eine Schwäche: Es ist schwerer zu reinigen als Erdgas. Die Lagerung erfolgt in Drucktanks, und bei unsachgemäßer Handhabung kann es zu Leckagen kommen. Und: Es wird oft aus Erdöl gewonnen - was bedeutet, dass es nicht unabhängig von der Ölindustrie ist.
Gas vs LPG: Wer ist sauberer?
| Kriterium | Erdgas | LPG |
|---|---|---|
| CO₂-Emissionen pro kWh | 200 g | 240 g |
| Stickoxide (NOx) | Sehr niedrig | Niedrig |
| Feinstaub | Fast null | Fast null |
| Methan-Verluste | Unter 0,5 % (in DE) | Nicht relevant |
| Lagerung & Transport | Leitungsnetz (sicher) | Drucktanks (risikobehaftet) |
| Quelle | Fossiles Erdgas | Erdöl oder Erdgas |
Wenn du nur auf Emissionen schaust, ist Erdgas klar die sauberere Wahl. Es hat niedrigere CO₂-Werte, weniger Luftschadstoffe und ein stabiles, verlustarmes Netz. LPG ist zwar auch sauber - aber nicht so sauber wie Erdgas. Es ist eine gute Alternative, wenn kein Erdgas verfügbar ist.
Wo wird was genutzt - und warum?
In Deutschland ist Erdgas der Hauptbrennstoff für Heizungen. Über 40 % der Haushalte heizen damit. In Neubauten ist es oft die Standardwahl, weil es sich gut mit Wärmepumpen kombinieren lässt. In Altbauten wird es oft als Übergangslösung genutzt, bis man auf erneuerbare Energien umstellen kann.
LPG hingegen ist in der Mobilität wichtiger. In Bayern gibt es über 200.000 LPG-fähige Fahrzeuge. Viele Taxifahrer, Lieferdienste und Landwirte nutzen es, weil es günstiger ist als Benzin und deutlich sauberer als Diesel. Die Tanks sind leicht nachzurüsten, und die Reichweite ist gut - oft über 500 km mit einer Tankfüllung.
Ein interessanter Trend: Viele neue LPG-Anlagen für Haushalte nutzen jetzt biogenes LPG - also LPG, das aus Abfall oder Biomasse hergestellt wird. Das ist kein fossiler Brennstoff mehr. Es ist ein echter Klimavorteil. In einigen Gemeinden in Oberbayern wird bereits biogenes LPG als Heizöl-Ersatz angeboten. Es reduziert die CO₂-Bilanz um bis zu 80 % gegenüber herkömmlichem LPG.
Die Zukunft: Ist Gas noch relevant?
Ja - aber nicht so, wie viele denken. Erdgas und LPG sind keine Endlösung. Aber sie sind eine wichtige Brücke. In den nächsten 10-15 Jahren werden viele Gebäude nicht sofort auf Wasserstoff oder Wärmepumpen umstellen können. Hier ist Erdgas die sauberste Option, die verfügbar ist.
Und: Der deutsche Gasmarkt arbeitet schon an der Umstellung auf „grünes Gas“. Das ist Methan, das aus Biomasse oder überschüssigem Windstrom hergestellt wird. Es ist chemisch identisch mit Erdgas - aber klimaneutral. In einigen Regionen, wie in der Region um Ingolstadt, wird dieses Gas bereits in das Netz eingespeist. In zehn Jahren könnte ein Großteil des deutschen Erdgases aus erneuerbaren Quellen kommen.
LPG hat eine ähnliche Zukunft. Biogenes LPG ist bereits in der Entwicklung. Unternehmen wie Linde und RWE arbeiten an Pilotanlagen, die aus Abfallstoffen oder Algen Flüssiggas herstellen. Diese Technologie ist noch klein, aber sie existiert.
Was ist die sauberste Energiequelle? Die Antwort
Wenn du nach der saubersten Energiequelle suchst, die heute verfügbar ist, ist Erdgas die beste Antwort - vorausgesetzt, du nutzt sie in modernen, effizienten Systemen. Es ist sauberer als LPG, Benzin, Diesel und Kohle. Es ist die einzige fossile Energie, die in Deutschland schon heute massenhaft mit fast null Feinstaub und sehr niedrigen CO₂-Werten genutzt wird.
LPG ist eine gute Alternative - besonders für Fahrzeuge und ländliche Gebiete. Aber es ist nicht sauberer als Erdgas. Und es ist keine langfristige Lösung - außer wenn es biogen ist.
Die wahre sauberste Energiequelle bleibt erneuerbarer Strom. Aber solange wir nicht alle Gebäude und Fahrzeuge auf Wind und Sonne umstellen können, ist Erdgas die praktischste, sauberste und verlässlichste Option, die wir haben.
Ist Erdgas wirklich sauberer als LPG?
Ja, Erdgas ist sauberer als LPG. Es produziert bis zu 20 % weniger CO₂ pro kWh, hat nahezu keine Feinstaubemissionen und ist in Deutschland mit einem verlustarmen Leitungsnetz verbunden. LPG ist zwar auch sauber, aber es hat höhere CO₂-Werte und hängt stärker von der Ölindustrie ab. Nur wenn es biogen ist, kann LPG mit Erdgas mithalten.
Kann man LPG auch für die Heizung nutzen?
Ja, LPG ist ein gängiger Heizbrennstoff, besonders in ländlichen Gebieten ohne Erdgasanschluss. Viele Haushalte in Bayern und Baden-Württemberg nutzen es. Moderne LPG-Heizungen sind effizient und emissionsarm. Aber sie sind teurer im Betrieb als Erdgas-Heizungen und haben eine schlechtere CO₂-Bilanz, wenn sie nicht mit biogenem LPG betrieben werden.
Warum ist Erdgas in Deutschland so verbreitet?
Weil Deutschland ein hochmodernes Erdgasnetz hat, das seit Jahrzehnten ausgebaut wurde. Es ist sicher, verlustarm und kostengünstig. Außerdem wird Erdgas oft mit erneuerbaren Technologien kombiniert - etwa als Backup für Wärmepumpen. Das macht es zu einer Brückentechnologie, die jetzt schon klimafreundlich ist.
Ist LPG als Auto-Brennstoff noch sinnvoll?
Ja, besonders für Fahrzeuge, die viel fahren - Taxen, Lieferwagen, Transporter. LPG ist günstiger als Benzin, hat niedrigere Emissionen als Diesel und lässt sich leicht nachrüsten. Wenn du nicht auf Elektroautos umsteigen kannst, ist LPG eine der besten Alternativen. Aber für Neuwagen ist es weniger relevant, da die Elektromobilität schneller voranschreitet.
Wird Erdgas bald abgeschafft?
Nicht sofort. Deutschland baut das Erdgasnetz nicht ab - es wird umgerüstet. In Zukunft wird es nicht mehr aus Russland oder Norwegen kommen, sondern aus Biogasanlagen oder Power-to-Gas-Anlagen. Das heißt: Erdgas bleibt, aber als grünes Gas. Die Infrastruktur wird genutzt - das ist viel effizienter, als alles neu aufzubauen.