Wenn Sie einen Gasherd haben, aber nicht sicher sind, ob er mit Erdgas oder Flüssiggas (Propan) betrieben wird, ist das kein seltenes Problem. Viele Hausbesitzer ziehen um, kaufen ein gebrauchtes Gerät oder haben den Herd von jemandem übernommen. Die falsche Gasart kann zu gefährlichen Situationen führen - von unvollständiger Verbrennung bis hin zu Gaslecks. Glücklicherweise lässt sich die Gasart mit einfachen Schritten klären, ohne einen Fachmann zu rufen.
Die wichtigsten Unterschiede zwischen Erdgas und Propan
Erdgas (Hauptbestandteil: Methan) und Flüssiggas (hauptsächlich Propan) sehen gleich aus, wenn sie brennen - aber sie verhalten sich völlig anders. Erdgas ist leichter als Luft, steigt also nach oben, wenn es austritt. Propan ist schwerer als Luft und sammelt sich am Boden. Das ist ein entscheidender Sicherheitsunterschied. Aber für Ihren Herd ist vor allem die Gasdruck- und Durchflussmenge relevant.
Erdgas wird in Deutschland meist mit einem Druck von 20 Millibar (mbar) in die Häuser geleitet. Propan dagegen wird in Flaschen mit einem Druck von 30 mbar abgegeben. Das klingt nicht viel, aber bei der Verbrennung macht das einen riesigen Unterschied. Ein Herd, der für Erdgas gebaut ist, hat größere Gasdüsen, weil Erdgas weniger energiedicht ist. Propan hat fast zweimal so viel Energie pro Kubikmeter. Wenn Sie Propan in einen Erdgasherden pumpen, fließt zu viel Gas durch - und das kann zu einer gefährlichen Überlastung führen.
So finden Sie heraus, welches Gas Ihr Herd nutzt
Die einfachste Methode ist, das Etikett oder das Typenschild am Herd zu prüfen. Suchen Sie hinter der Tür des Herds, unter dem Kochfeld oder an der Rückwand nach einem Metall- oder Kunststoffschild. Dort steht meistens etwas wie:
- „Gasart: 12 T“ - das bedeutet Erdgas (12 T = Typ 12, normiert in Deutschland für Erdgas)
- „Gasart: 13 P“ - das steht für Flüssiggas (Propan, Typ 13 P)
- Manchmal steht auch direkt „Erdgas“ oder „Propan“ drauf
Wenn das Schild fehlt oder unleserlich ist, schauen Sie in die Betriebsanleitung. Die finden Sie meistens im Schrank unter dem Herd, in einer Schublade oder im Online-Handbuch des Hersteller. Geben Sie einfach den Modellnamen in eine Suchmaschine ein - zum Beispiel „Bosch PUN636BB Serie 8 Bedienungsanleitung“ - und suchen Sie nach „Gasart“ oder „Gasversorgung“.
Was steht auf dem Gasanschluss?
Manchmal ist der Anschluss selbst ein Hinweis. Erdgas-Anschlüsse in deutschen Wohnungen haben meistens einen 27 mm Innengewindeanschluss mit einem runden, weißen oder grauen Anschlusskranz. Flüssiggas-Anschlüsse dagegen haben oft ein 21 mm Innengewinde und einen anderen Anschlusskopf. Aber das ist kein verlässlicher Hinweis - viele Herde werden mit Adaptern betrieben.
Wichtiger: Wenn Sie den Herd an eine Flasche anschließen, ist der Schlauch meistens dicker und hat einen speziellen Reduzieradapter. Erdgas-Schläuche sind dünner und haben oft einen festen Anschluss mit einer Schraubkupplung. Wenn Sie einen Schlauch mit einem rot-weißen oder rot-schwarzen Ring sehen, ist das ein Hinweis auf Propan.
Die Gasdüsen prüfen - der sicherste Test
Wenn Sie technisch ein wenig versiert sind, können Sie die Gasdüsen selbst prüfen. Dazu müssen Sie den Herd vom Gas abkoppeln und die Kochfelder abnehmen. Unter jedem Brenner befindet sich eine kleine Metall- oder Kunststoffdüse - meistens mit einem Gewinde. Diese Düsen sind spezifisch für die Gasart.
Erdgasdüsen haben einen größeren Durchmesser (ca. 1,0-1,4 mm), weil Erdgas weniger Energie hat und mehr Volumen braucht. Propandüsen sind deutlich kleiner (ca. 0,5-0,8 mm), weil Propan konzentrierter ist. Wenn Sie die Düsen herausnehmen und mit einer Lupe betrachten, können Sie den Unterschied sehen. Ein Vergleich mit einer bekannten Düse hilft auch: Eine Erdgasdüse sieht aus wie ein dicker Stift, eine Propandüse wie ein feiner Nadelkopf.
Wenn Sie unsicher sind: Stellen Sie den Herd nicht in Betrieb. Ein falscher Anschluss kann zu einer Explosion führen. Rufen Sie einen zertifizierten Installateur. Die Kosten liegen meistens zwischen 50 und 100 Euro - das ist günstiger als ein Schaden.
Was passiert, wenn Sie das falsche Gas verwenden?
Wenn Sie Propan in einen Erdgasherden stecken, fließt zu viel Gas durch. Die Flamme wird hoch, gelb und raucht. Sie riecht nach unverbranntem Gas - das ist ein Warnsignal. Die Hitze ist ungleichmäßig, und der Herd kann überhitzen. Langfristig beschädigt das die Brenner, die Ventile und die Sicherheitsautomatik.
Wenn Sie Erdgas in einen Propanherd stecken, ist die Flamme schwach, flackert und geht oft aus. Der Herd wird nicht heiß genug. Das ist weniger gefährlich, aber unpraktisch. Sie können nicht kochen, und die Sicherheitsvorrichtung schaltet den Herd ab, weil sie keinen stabilen Flamme erkennt.
Beide Fälle sind keine Kleinigkeiten. In Deutschland ist die Gasversorgung gesetzlich geregelt. Ein falsch umgerüsteter Herd macht Ihre Hausratversicherung ungültig. Wenn es zu einem Schaden kommt, zahlt die Versicherung nicht.
Was tun, wenn Sie den Herd umstellen wollen?
Wenn Sie von Erdgas auf Propan umsteigen (zum Beispiel weil Sie in ein Haus ohne Gasleitung ziehen), müssen Sie den Herd umrüsten. Das geht nicht mit einem einfachen Schlauchwechsel. Sie brauchen einen Umrüstsatz vom Hersteller. Der enthält neue Düsen, Ventile und manchmal sogar einen neuen Gasdruckregler.
Ein Umrüstsatz kostet zwischen 30 und 80 Euro, je nach Hersteller. Die meisten Hersteller wie Siemens, Miele, BSH oder AEG bieten diese Sets online an. Geben Sie einfach Ihren Modellnamen ein - zum Beispiel „Miele KM 6346 Umrüstsatz Propan“. Der Satz kommt mit einer Anleitung. Aber: Nur ein zugelassener Gasinstallateur darf das Gerät danach in Betrieb nehmen. Das ist gesetzlich vorgeschrieben.
Wenn Sie unsicher sind: Lassen Sie es professionell machen. Ein Installateur prüft den Druck, die Düsen, die Dichtigkeit und stellt den Herd auf die richtige Gasart ein. Danach gibt er Ihnen eine Bescheinigung - das brauchen Sie für die Versicherung.
Ein praktischer Tipp für Mieter
Wenn Sie in einer Wohnung mit Gasherd wohnen, aber nicht wissen, welches Gas verwendet wird: Fragen Sie den Vermieter. In Deutschland muss er Ihnen die Gasart mitteilen - das ist Teil der Wohnungsübergabe. Falls er es nicht weiß, schauen Sie in den Hausanschlusskasten. Dort steht meistens auf einem Schild, ob es Erdgas oder Flüssiggas ist. Oder fragen Sie die örtliche Gasversorgung - sie haben die Daten.
Verwenden Sie niemals einen Gasherd ohne zu wissen, welches Gas er verarbeitet. Es ist nicht nur ein technisches Problem - es ist ein Sicherheitsproblem. Ein falscher Anschluss kann in Minuten zu einer gefährlichen Situation werden. Die Lösung ist einfach: Prüfen Sie das Typenschild, die Anleitung oder lassen Sie es von einem Fachmann prüfen. Das ist kein Luxus - das ist Pflicht.