Wenn du ein Haus mit Gas heizt, einen Grill benutzt oder ein Wohnmobil auf Reisen versorgst, stehst du vor einer einfachen, aber wichtigen Frage: Ist Propan sicherer als Erdgas? Beide sind fossile Brennstoffe, aber sie verhalten sich völlig unterschiedlich - und das kann Leben retten.
Propan und Erdgas: Was ist der Unterschied?
Propan, auch als LPG (Flüssiggas) bekannt, ist ein Nebenprodukt der Erdölverarbeitung und der Erdgasförderung. Es wird unter Druck flüssig und in Zylindern gespeichert. Erdgas hingegen besteht hauptsächlich aus Methan und kommt direkt aus der Erde. Es wird über Pipelines transportiert und bleibt bei Raumtemperatur gasförmig.
Ein entscheidender Unterschied: Propan ist schwerer als Luft, Erdgas ist leichter. Das bedeutet: Wenn Propan austritt, sinkt es zu Boden und sammelt sich in Kellern, Garagen oder Senken. Erdgas steigt nach oben - es verflüchtigt sich schneller in der Luft.
Leckagen: Was passiert, wenn es entweicht?
Beide Gase sind geruchlos, aber beide werden mit einem starken, fauligen Geruch (Mercaptan) angereichert, damit du ein Leck erkennst. Das ist gut. Aber wie sie sich verhalten, wenn sie entweichen, macht den Unterschied.
Stell dir vor, dein Propan-Heizgerät hat einen kleinen Leck. Das Gas fließt auf den Boden, sammelt sich im Keller und bleibt dort. In einem geschlossenen Raum kann sich eine explosive Mischung bilden - und ein Funke vom Lichtschalter reicht, um eine Explosion auszulösen. Das ist kein Szenario aus einem Film. In Deutschland gab es 2024 mindestens 17 dokumentierte Propan-Explosionen in Wohngebäuden, die auf unerkannte Leckagen zurückgingen.
Bei Erdgas ist das anders. Es steigt auf, vermischt sich mit der Luft und wird oft durch offene Fenster oder Lüftungsanlagen abgeführt. Selbst bei einem größeren Leck ist die Wahrscheinlichkeit einer konzentrierten, zündfähigen Ansammlung in der Luft viel geringer - vorausgesetzt, der Raum ist nicht vollständig abgeriegelt.
Explosionsgrenzen: Wie leicht zündet es?
Beide Gase haben eine Zündgrenze - den Bereich, in dem das Gas-Luft-Gemisch explodieren kann. Propan hat eine breitere Zündgrenze: 2,1 % bis 9,5 % Gas in der Luft. Erdgas (Methan) hat eine schmalere Grenze: 5 % bis 15 %.
Das klingt erstmal nach mehr Gefahr bei Propan - und das ist auch so. Ein kleiner Leck, der kaum auffällt, kann schon genug Propan freisetzen, um die untere Explosionsgrenze zu erreichen. Bei Erdgas muss deutlich mehr Gas entweichen, bevor es gefährlich wird. Das macht Erdgas in der Praxis etwas weniger anfällig für unerwartete Zündungen.
Speicherung: Zylinder vs. Pipeline
Propan wird in Druckbehältern gelagert - meist in Zylindern oder großen Tanks. Diese Tanks können beschädigt werden: durch Stürze, Korrosion, falsche Handhabung. Ein alter, nicht geprüfter Propanzylinder ist ein Risiko. In Bayern wurden 2023 über 300 defekte Propanflaschen bei Kontrollen in Wohnmobilen und Ferienhäusern gefunden - viele davon mit Rissen oder undichten Ventilen.
Erdgas kommt durch feste Rohrleitungen. Es gibt keine beweglichen Teile, keine Zylinder, die du selbst wechselst. Die Leitungen werden von Versorgern regelmäßig geprüft. Ein Leck in einer Erdgasleitung ist selten - und wenn es passiert, ist es oft auf eine Baustelle oder einen Graben zurückzuführen, nicht auf eine falsch montierte Flasche.
Verbrennung: Was kommt aus dem Auspuff?
Beide Gase verbrennen sauberer als Benzin oder Heizöl. Sie produzieren weniger CO₂ als Öl und kaum Ruß oder Schwefel. Aber Propan verbrennt etwas effizienter: Es setzt pro Kilowattstunde 5,8 kg CO₂ frei, Erdgas etwa 6,8 kg. Das macht Propan klimafreundlicher - aber das ist kein Sicherheitsvorteil.
Wichtig: Beide Gase produzieren bei unvollständiger Verbrennung Kohlenmonoxid (CO). Das ist geruchlos, farblos und tödlich. Ob du Propan oder Erdgas verwendest - du brauchst einen CO-Melder. Punkt. Kein Gas ist sicher, wenn du keinen Melder hast.
Praktische Tipps: Wie bleibst du sicher?
- Propan: Prüfe deine Zylinder jährlich. Lagere sie immer senkrecht, im Freien oder gut belüftet. Niemals im Keller. Benutze nur geprüfte Schläuche und Ventile. Ein Gaswarner im Keller ist Pflicht.
- Erdgas: Lass die Leitungen alle 5 Jahre von einem Fachmann prüfen. Achte auf fauligen Geruch - auch wenn du ihn „nicht mehr wahrnimmst“. Installiere einen CO-Melder neben deinem Gasgerät.
- Beide: Keine offenen Flammen in der Nähe von Gasgeräten. Keine Zigaretten. Und niemals versuchen, ein Leck mit Klebeband zu „reparieren“.
Was ist wirklich sicherer?
Wenn du auf die Zahlen schaust: Erdgas ist statistisch gesehen sicherer. Die Zahl der Unfälle durch Erdgasleitungen ist in Deutschland seit 20 Jahren konstant niedrig - unter 0,5 pro 100.000 Haushalte pro Jahr. Propan-Unfälle, besonders durch Zylinder oder mobile Anlagen, liegen bei etwa 2,5 pro 100.000 Haushalte.
Das liegt nicht an der Chemie allein. Es liegt an der Handhabung. Erdgas ist fest installiert. Propan ist mobil - und Mobiles ist anfälliger für Fehler.
Wenn du ein Haus mit fester Gasversorgung hast, ist Erdgas die sicherere Wahl. Wenn du ein Wohnmobil hast, einen Grill im Garten oder eine Ferienwohnung ohne Pipelines, dann brauchst du Propan - aber dann musst du besonders aufpassen.
Die Wahrheit: Sicherheit kommt von Gewohnheit, nicht vom Gas
Propan ist nicht „gefährlicher“ als Erdgas - aber es ist weniger tolerant gegenüber Nachlässigkeit. Ein falsch montierter Schlauch, ein alter Zylinder, ein verstopfter Belüftungsschacht - das reicht. Bei Erdgas brauchst du ein gebrochenes Rohr oder einen schweren Baufehler, damit es gefährlich wird.
Die sicherste Wahl ist nicht das Gas, sondern die Vorsicht. Ein CO-Melder, regelmäßige Prüfungen, keine Halterung im Keller, und die Bereitschaft, den Geruch ernst zu nehmen - das macht den Unterschied.
Wenn du dich für Propan entscheidest, behandle es wie eine geladene Waffe. Wenn du Erdgas hast, vertraue nicht auf Automatik - prüfe trotzdem. Beide Gase sind sauber, effizient und praktisch. Aber nur einer von ihnen lässt sich leichter ignorieren - und das ist der, der dich umbringen kann, bevor du merkst, dass etwas nicht stimmt.
Ist Propan giftig, wenn es austritt?
Nein, Propan selbst ist nicht giftig. Es ist ein einfaches Kohlenwasserstoffgas. Aber es verdrängt Sauerstoff. In einem geschlossenen Raum kann eine große Menge Propan zu Erstickung führen, weil kein Sauerstoff mehr zum Atmen da ist. Außerdem ist es hochentzündlich - das ist die größte Gefahr.
Kann man Propan und Erdgas im gleichen Gerät verwenden?
Nein. Propan und Erdgas haben unterschiedliche Drücke und Verbrennungseigenschaften. Ein Gerät, das für Erdgas gebaut ist, verbrennt Propan zu heiß - das kann zu Überhitzung, Beschädigung oder sogar Explosion führen. Du brauchst immer ein speziell umgerüstetes Gerät, wenn du wechselst. Lass das von einem Fachmann machen.
Warum riecht Propan stärker als Erdgas?
Beide werden mit dem gleichen Geruchsstoff (Mercaptan) angereichert. Der Unterschied liegt in der Dichte. Propan bleibt länger in der Luft in Bodennähe - der Geruch bleibt also länger wahrnehmbar. Erdgas steigt schnell nach oben und verflüchtigt sich, daher wirkt der Geruch oft schwächer, obwohl die Menge gleich ist.
Wie erkenne ich ein Propan-Leck, wenn ich es nicht rieche?
Wenn du den Geruch nicht mehr wahrnimmst - zum Beispiel weil du ihn gewöhnt bist - brauchst du einen Gaswarner. Diese Geräte erkennen Propan und Erdgas elektronisch und alarmieren, bevor es gefährlich wird. Sie kosten unter 50 Euro und sind in jedem Baumarkt erhältlich. Installiere einen in der Nähe deiner Gasgeräte - besonders im Keller oder in der Garage.
Sollte ich von Propan auf Erdgas umsteigen?
Wenn du eine feste Erdgasleitung in deinem Haus hast und Propan nur wegen der Flexibilität verwendest - ja, dann ist der Umstieg sinnvoll. Es ist sicherer, günstiger im langfristigen Betrieb und erfordert weniger Wartung. Wenn du aber in einer ländlichen Gegend lebst oder ein Wohnmobil hast, bleibt Propan die einzige praktische Option. Dann achte besonders auf Sicherheit.