Wenn du überlegst, von Erdgas auf LPG umzusteigen, dann bist du nicht allein. Viele Hausbesitzer in Deutschland fragen sich, ob LPG eine praktische Alternative ist - besonders wenn das Erdgasnetz nicht verfügbar ist oder die Preise unvorhersehbar steigen. Die einfache Antwort: Ja, du kannst LPG statt Erdgas verwenden. Aber es gibt wichtige Unterschiede, die du kennen musst, bevor du umstellst.
Was ist eigentlich LPG?
LPG steht für Liquefied Petroleum Gas - also verflüssigtes Erdgas. Es besteht hauptsächlich aus Propan und Butan, wird unter Druck flüssig gemacht und in Zylindern oder Tanks gelagert. Im Gegensatz zu Erdgas, das über Leitungen ins Haus fließt, musst du LPG selbst beschaffen: per Lieferung, Tankfüllung oder Wechselbehälter.
Im Auto ist LPG schon lange bekannt als günstige Kraftstoffalternative. Aber auch in der Heizung und beim Kochen wird es genutzt. In ländlichen Gebieten, wo kein Erdgasnetz existiert, ist LPG oft die einzige praktische Option für Gasheizungen.
Wie unterscheidet sich LPG von Erdgas?
Beide sind Gasarten, aber sie sind nicht austauschbar - zumindest nicht ohne Anpassungen. Hier die wichtigsten Unterschiede:
| Eigenschaft | LPG | Erdgas |
|---|---|---|
| Hauptbestandteile | Propan, Butan | Methan (über 90%) |
| Energiegehalt pro m³ | ca. 27 kWh | ca. 10 kWh |
| Druck bei Raumtemperatur | hoch (druckbehafteter Tank) | gering (Leitungsdruck) |
| CO₂-Emissionen pro kWh | ca. 0,20 kg | ca. 0,19 kg |
| Verfügbarkeit | überall via Tank | nur in Erdgasnetzgebieten |
| Heizkessel-Anpassung | notwendig | standardmäßig |
Der größte Unterschied ist der Energiegehalt: Ein Kubikmeter LPG enthält mehr als dreimal so viel Energie wie Erdgas. Das bedeutet: Du brauchst weniger Volumen, um die gleiche Wärme zu erzeugen. Aber das hat auch Konsequenzen für deine Heizanlage.
Was passiert, wenn du LPG einfach in einen Erdgas-Kessel einführst?
Das ist kein guter Plan. Ein Heizkessel, der für Erdgas ausgelegt ist, hat Düsen und Regler, die auf die spezifische Verbrennungseigenschaft von Methan abgestimmt sind. Wenn du jetzt LPG einleitest, passiert Folgendes:
- Die Flamme wird zu heiß - das kann den Wärmetauscher beschädigen.
- Die Luft-LPG-Mischung ist falsch - das führt zu unvollständiger Verbrennung und Kohlenmonoxidbildung.
- Der Druck ist zu hoch - das kann Leitungen oder Ventile beschädigen.
Es gibt Berichte von Hausbesitzern, die versucht haben, LPG ohne Umstellung zu nutzen - mit teuren Folgen: beschädigte Heizkessel, Geruchsbelästigung durch unverbrannte Gase, und in Einzelfällen sogar kleine Explosionen. Das ist kein Risiko, das du eingehen solltest.
Wie funktioniert eine echte Umstellung von Erdgas auf LPG?
Wenn du wirklich umstellen willst, musst du die Heizung professionell umrüsten. Das geht in drei Schritten:
- Heizkessel austauschen oder umrüsten: Einige moderne Gasheizungen lassen sich mit einem Umbausatz von Erdgas auf LPG umstellen. Der Hersteller muss das explizit zulassen. Sonst musst du einen neuen Kessel kaufen, der für LPG geeignet ist.
- Düsen und Druckregler wechseln: Der Gasdurchfluss muss angepasst werden. LPG braucht kleinere Düsen und einen anderen Druckregler - das macht ein zertifizierter Installateur.
- Gasversorgung einrichten: Du brauchst einen LPG-Tank (über- oder unterirdisch) oder einen Wechselbehälter-System. Die Lieferung erfolgt dann regelmäßig durch einen Gaslieferanten.
Die Kosten für eine Umstellung liegen zwischen 2.000 und 5.000 Euro - je nach Kesseltyp und Tankgröße. Ein neuer LPG-Heizkessel kostet etwa 4.500 bis 7.000 Euro, inklusive Einbau und Tank.
Loht sich die Umstellung finanziell?
Das hängt von deiner Lage ab. In Städten mit Erdgasnetz ist LPG fast immer teurer. Der Preis pro kWh liegt bei LPG zwischen 8 und 12 Cent, bei Erdgas meist bei 6 bis 9 Cent. Aber in ländlichen Regionen, wo du kein Erdgas hast, ist LPG die einzige vernünftige Wahl - und dann ist es nicht teurer als Heizöl.
Ein Beispiel aus Bayern: Ein Einfamilienhaus mit 15.000 kWh Jahresverbrauch zahlt mit Erdgas etwa 1.200 Euro pro Jahr. Mit LPG wären es 1.500 bis 1.800 Euro - also 300 bis 600 Euro mehr. Aber wenn du kein Erdgasnetz hast und stattdessen Heizöl verbrauchst (ca. 1.700 Euro), dann sparest du mit LPG.
Und dann gibt es noch die Förderung: Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) zahlt bis zu 30 % der Kosten für den Austausch einer alten Heizung - egal ob auf LPG, Wärmepumpe oder Holz. Das macht die Umstellung deutlich attraktiver.
Was ist mit Umwelt und Nachhaltigkeit?
LPG ist kein grüner Energieträger - aber es ist sauberer als Heizöl oder Kohle. Es emittiert kaum Schwefel, Staub oder Feinstaub. Die CO₂-Bilanz ist fast identisch mit Erdgas - leicht schlechter, aber nicht dramatisch.
Im Vergleich zu einer Wärmepumpe ist LPG nicht klimafreundlich. Aber wenn du eine alte Ölheizung ersetzt, dann ist LPG eine sinnvolle Zwischenlösung - besonders wenn du später auf eine Wärmepumpe umsteigen willst. Viele Hausbesitzer nutzen LPG als Übergangslösung, bis sie die Dämmung ihres Hauses verbessert haben.
Was passiert mit deinen Geräten? Kochen, Warmwasser, Grill?
Dein Gasherd, dein Warmwasserboiler, dein Außen-Grill - alle können auf LPG umgestellt werden. Aber auch hier: Nicht einfach umdrehen und loslegen. Jedes Gerät braucht einen spezifischen Umstellungs-Kit. Ein Gasfachmann wechselt die Düsen und justiert die Luftzufuhr. Die meisten Hersteller bieten solche Kits an - du musst nur das richtige Modell wählen.
Ein Grill mit LPG-Flasche ist übrigens die Standardvariante in Deutschland. Das funktioniert ohne Probleme. Aber dein Kaminofen mit Erdgasanschluss? Den musst du komplett ersetzen, wenn du auf LPG umsteigen willst.
Wann lohnt sich LPG wirklich?
Es gibt drei Szenarien, in denen LPG die beste Wahl ist:
- Du lebst in einer Gegend ohne Erdgasnetz und willst eine moderne Gasheizung.
- Du hast eine alte Ölheizung und willst schnell, sauber und ohne riesigen Aufwand umsteigen.
- Du willst eine flexible, unabhängige Energiequelle - zum Beispiel für ein Ferienhaus oder ein Haus in der Natur.
Wenn du in einer Stadt wohnst und Erdgas verfügbar ist: Bleib dabei. Es ist günstiger, stabiler und hat bessere Fördermöglichkeiten. LPG ist keine bessere Technik - es ist eine notwendige Alternative.
Was ist mit Zukunft und Auslauf? Ist LPG noch zeitgemäß?
Die deutsche Energiepolitik will bis 2045 klimaneutral sein. Gasheizungen - egal ob Erdgas oder LPG - werden langsam auslaufen. Neue Heizungen müssen ab 2024 zu mindestens 65 % mit erneuerbaren Energien betrieben werden. Das bedeutet: Ein neuer LPG-Kessel muss entweder mit Bio-LPG oder später mit Wasserstoff betrieben werden können.
Einige Hersteller entwickeln bereits Hybrid-Systeme: LPG-Kessel, die mit Bio-LPG oder grünem Wasserstoff nachgerüstet werden können. Das ist noch teuer, aber eine Zukunftsoption. Wenn du jetzt umstellst, wähle ein Gerät, das für solche Upgrades vorbereitet ist.
Wenn du heute LPG installierst, dann nicht als Endlösung - sondern als intelligente Zwischenlösung. Mit einem modernen Kessel, guter Dämmung und einem Plan für die Zukunft.
Frequently Asked Questions
Kann ich meinen alten Erdgas-Kessel einfach auf LPG umstellen?
Nein. Ein Erdgas-Kessel ist nicht für den höheren Druck und die andere Verbrennungseigenschaft von LPG ausgelegt. Ein ungeeigneter Umbau kann zu gefährlichen Gaslecks, unvollständiger Verbrennung oder sogar Explosionen führen. Nur ein zertifizierter Installateur darf den Kessel umrüsten - und nur wenn der Hersteller das explizit erlaubt.
Ist LPG gefährlicher als Erdgas?
Beide Gase sind bei korrekter Handhabung sicher. LPG ist schwerer als Luft und sammelt sich am Boden - das kann bei Undichtigkeiten zu gefährlichen Ansammlungen führen. Erdgas ist leichter und steigt auf. Beide brauchen Gaswarner. Der größte Unterschied: LPG wird in Drucktanks gelagert - ein beschädigter Tank kann heftiger reagieren als eine undichte Erdgasleitung. Professionelle Installation und Wartung sind entscheidend.
Wie lange hält ein LPG-Tank?
Ein typischer LPG-Tank für ein Einfamilienhaus hat ein Fassungsvermögen von 1.000 bis 5.000 Litern. Bei einem Jahresverbrauch von 15.000 kWh reicht ein 2.000-Liter-Tank etwa 8-10 Monate. Die Tanks selbst halten 20-30 Jahre, müssen aber alle 10 Jahre geprüft werden. Unterirdische Tanks brauchen zusätzliche Korrosionsschutzmaßnahmen.
Kann ich LPG mit Solaranlagen kombinieren?
Ja. Viele Hausbesitzer nutzen Solarkollektoren für Warmwasser und die Heizungsunterstützung - und LPG nur als Backup. Das senkt den LPG-Verbrauch um 20-40 %. Ein hybrides System mit Solar und LPG ist eine der effizientesten Lösungen für Häuser ohne Erdgasanschluss.
Gibt es Fördergelder für LPG-Heizungen?
Ja. Die Bundesförderung für effiziente Gebäude (BEG) zahlt bis zu 30 % der Kosten, wenn du eine alte Öl- oder Gasheizung durch eine neue ersetzt - auch wenn es LPG ist. Wichtig: Der neue Kessel muss effizient sein (mindestens Effizienzklasse B) und von einem Fachmann installiert werden. Die Förderung gilt auch für den Tank und die Leitungen.