Im Jahr 2025 ist die Frage, wer die meisten Elektrofahrzeuge nutzt, nicht mehr nur eine Frage der Technik - sie ist eine Frage der Wirtschaft, der Politik und der Infrastruktur. Und die Antwort überrascht nicht mehr: China ist mit Abstand der größte Verbraucher von Elektrofahrzeugen weltweit. Mehr als 10 Millionen Elektroautos wurden im Jahr 2024 in China neu zugelassen. Das sind mehr als die gesamte Elektroauto-Flotte in den USA, Europa und Japan zusammen. Ein Fahrzeug auf zehn Neuzulassungen in China ist elektrisch. In den USA liegt dieser Anteil bei knapp 9 Prozent, in Deutschland bei rund 15 Prozent - doch selbst dort zählt China mit seinem Volumen als dominierender Faktor.
Warum China so weit vorne liegt
China hat seit 2015 eine klare, konsistente Strategie verfolgt: Elektromobilität als Schlüsseltechnologie für die Zukunft. Die Regierung hat Subventionen für Käufer eingeführt, aber vor allem für Hersteller. Unternehmen wie BYD, NIO, XPeng und Geely haben Milliarden an staatlichen Fördergeldern erhalten, um Batterietechnologie zu entwickeln und Fabriken zu bauen. Heute produziert China mehr als 60 Prozent der weltweiten Elektroauto-Batterien. Die Batterien sind günstiger, leistungsfähiger und leichter als vor fünf Jahren - und das liegt an der Massenproduktion im Land.
Neben der Industriepolitik hat China auch die Infrastruktur massiv ausgebaut. Über 2,8 Millionen öffentliche Ladepunkte gibt es heute in China - mehr als in allen anderen Ländern der Welt zusammen. In Städten wie Shanghai oder Shenzhen gibt es an jeder zehnten Straßenlaterne einen Ladeanschluss. Selbst in kleineren Städten sind Ladesäulen in Parkhäusern, Supermärkten und Wohnanlagen Standard. Das macht Elektroautos für viele Menschen praktikabel - nicht nur für die Reichen.
Die Rolle von Tesla und die Konkurrenz
Tesla hat in China einen großen Marktanteil - vor allem mit dem Model Y, dem meistverkauften Elektroauto im Land. Doch Tesla ist nicht mehr der Hauptakteur. BYD, ein ehemaliger Hersteller von Batterien und Benzinmotoren, hat 2023 erstmals Tesla als weltweit größter Elektroauto-Hersteller abgelöst. Im Jahr 2024 hat BYD über 3,02 Millionen Elektroautos verkauft - mehr als Tesla (2,3 Millionen) und Volkswagen (1,8 Millionen) zusammen. BYD bietet Modelle ab 10.000 Euro an, mit einer Reichweite von 400 bis 600 Kilometern. Für viele chinesische Familien ist das ein erschwingliches, zuverlässiges Auto - nicht nur ein Statussymbol.
Andere chinesische Marken wie NIO und XPeng konzentrieren sich auf Premium-Modelle mit autonomen Fahrfunktionen und Wechselbatteriesystemen. NIO hat über 2.000 Batteriewechselstationen in China aufgebaut - ein System, das in Europa oder den USA kaum existiert. Ein Wechsel dauert weniger als fünf Minuten, und das kostet weniger als ein volles Tanken mit Benzin. Das ist eine Innovation, die nur durch staatliche Unterstützung und hohe Nachfrage möglich wurde.
Wie sieht es in den USA und Europa aus?
In den USA ist die Elektromobilität stark von Bundes- und Bundesstaaten-Programmen abhängig. Kalifornien allein verkaufte 2024 mehr als 800.000 Elektroautos - mehr als jedes andere Land in Europa. Doch die gesamten USA kommen auf etwa 1,6 Millionen Neuzulassungen. Die Regierung fördert den Kauf mit Steuergutschriften bis zu 7.500 US-Dollar, aber viele Modelle fallen wegen Herkunftsregeln nicht mehr darunter. Tesla bleibt der Marktführer, aber Ford, GM und Rivian gewinnen an Boden. Der größte Hemmschuh: die Ladeinfrastruktur. In ländlichen Gebieten gibt es oft nur einen Ladepunkt pro 100 Quadratkilometer.
In Europa ist die Situation gemischt. Norwegen hat mit über 85 Prozent Elektroauto-Anteil bei Neuzulassungen die höchste Quote weltweit - aber das Land hat nur 5,4 Millionen Einwohner. Deutschland, Frankreich und die Niederlande sind die größten Märkte in der EU, aber sie liegen jeweils bei 15 bis 20 Prozent. Die EU hat strenge CO₂-Grenzwerte für Hersteller, aber die Ladeinfrastruktur ist ungleich verteilt. In Deutschland gibt es etwa 100.000 öffentliche Ladepunkte - weniger als ein Zehntel von China. Und viele davon sind defekt oder nur für bestimmte Netzwerke nutzbar.
Was macht Elektroautos in China so erfolgreich?
Es ist nicht nur die Technik. Es ist das System. In China haben Verbraucher drei entscheidende Vorteile:
- Preis: Elektroautos sind oft günstiger als vergleichbare Benziner - dank Skaleneffekten und Subventionen.
- Infrastruktur: Lade- und Wechselstationen sind überall, und sie funktionieren.
- Verfügbarkeit: Es gibt Hunderte von Modellen - von Kleinwagen bis zu SUVs und Lieferwagen - und neue kommen jede Woche auf den Markt.
Ein chinesischer Verbraucher kann heute zwischen 300 verschiedenen Elektroauto-Modellen wählen. In Deutschland sind es etwa 70. In den USA etwa 90. China hat nicht nur den größten Markt - es hat auch den vielfältigsten. Und das macht den Unterschied.
Wie wird sich das in Zukunft ändern?
China wird seine Führung nicht verlieren - zumindest nicht in den nächsten fünf Jahren. Die Regierung hat bereits angekündigt, dass ab 2030 alle neuen PKW in Großstädten elektrisch sein müssen. Die Industrie baut neue Gigafabriken für Batterien und Motoren - und exportiert die Technologie nach Südostasien, Lateinamerika und Afrika. BYD hat Fabriken in Thailand, Brasilien und Ungarn eröffnet. Tesla baut seine zweite Fabrik in Berlin, aber sie produziert weniger als ein Viertel der Kapazität von Shenzhen.
Andere Länder versuchen, aufzuholen. Die USA haben mit dem Inflation Reduction Act Milliarden investiert, um heimische Batterieproduktion aufzubauen. Europa hat die CO₂-Ziele verschärft, aber die Umsetzung ist langsam. Der größte Fehler vieler Länder: Sie haben auf einzelne Hersteller gesetzt - Tesla, Volkswagen, Renault - statt auf ein ganzes Ökosystem.
China hat nicht nur Autos gebaut. Es hat ein ganzes System geschaffen: von der Rohstoffversorgung über Batterieproduktion bis hin zu Lade- und Finanzierungsmodellen. Und das macht es zur unangefochtenen Nummer eins - nicht nur als größter Verbraucher, sondern als größter Treiber der Elektromobilität.
Was bedeutet das für Verbraucher außerhalb Chinas?
Dass China der größte Verbraucher ist, hat auch Auswirkungen auf euch. Die Preise für Elektroautos fallen weltweit, weil die Produktion in China massiv skaliert ist. Ein Model Y kostet heute in China 20 Prozent weniger als in Deutschland - und das liegt nicht nur an Steuern. Es liegt an der Effizienz der Lieferketten, der Automatisierung der Fabriken und der Konkurrenz zwischen Hunderten Herstellern.
Wenn ihr heute ein Elektroauto kauft, ist es wahrscheinlich, dass die Batterie aus China kommt - oder dass zumindest ein Teil der Elektronik oder der Software dort entwickelt wurde. Die Technologie, die ihr nutzt, wurde in China getestet, optimiert und massentauglich gemacht. Das ist kein Zufall. Das ist System.
Welches Land hat die meisten Elektroautos auf den Straßen?
China hat nicht nur die meisten Neuzulassungen, sondern auch die größte Gesamtflotte an Elektrofahrzeugen. Ende 2024 waren über 25 Millionen Elektroautos in China zugelassen - mehr als in allen anderen Ländern der Welt zusammen. Die USA folgen mit etwa 5 Millionen, Deutschland mit knapp 4 Millionen.
Warum sind Elektroautos in China so günstig?
Elektroautos in China sind günstig, weil die Regierung massive Subventionen für Hersteller gibt, die lokale Produktion fördert und die Lieferketten kontrolliert. Zudem gibt es Hunderte Konkurrenten, die um Marktanteile kämpfen - was die Preise drückt. Eine Batterie, die 2020 noch 200 Euro pro kWh kostete, kostet heute unter 80 Euro - und das liegt vor allem an Chinas Massenproduktion.
Ist Tesla der größte Elektroauto-Hersteller der Welt?
Nein. Seit 2023 ist BYD der weltweit größte Hersteller von Elektrofahrzeugen. Tesla bleibt führend in den USA und Europa, aber in China - dem größten Markt - hat BYD deutlich mehr Autos verkauft. Im Jahr 2024 hat BYD über 3 Millionen Elektroautos ausgeliefert, Tesla nur etwas mehr als 2,3 Millionen.
Warum hat Norwegen so viele Elektroautos, aber nicht den größten Markt?
Norwegen hat mit über 85 Prozent den höchsten Anteil an Elektroautos bei Neuzulassungen - aber die Gesamtbevölkerung ist nur 5,4 Millionen. China hat 1,4 Milliarden Einwohner. Selbst wenn nur 10 Prozent davon ein Elektroauto fahren, ergibt das 140 Millionen Fahrzeuge. Größe zählt mehr als Prozentanteil.
Was ist der größte Nachteil der Elektromobilität in China?
Der größte Nachteil ist die Abhängigkeit von seltenen Erden und Lithium, die teilweise aus Ländern mit fragwürdigen Menschenrechtsstandards stammen. Zudem steigt die Nachfrage nach Strom - und viele Kraftwerke in China laufen noch mit Kohle. Die Regierung baut aber zunehmend Wind- und Solarkraftwerke, um die Elektromobilität wirklich grün zu machen.