Ist LPG schlecht für das Klima? Vergleich mit Benzin und Diesel

Ist LPG schlecht für das Klima? Vergleich mit Benzin und Diesel
Jan 10, 2026

Wenn du über umweltfreundlichere Autobrennstoffe nachdenkst, kommt LPG oft als Alternative zu Benzin oder Diesel auf. Aber ist LPG wirklich besser für das Klima? Die Antwort ist komplizierter, als viele denken. LPG, auch Flüssiggas genannt, wird oft als sauberere Option beworben - doch das stimmt nur teilweise.

Was ist LPG wirklich?

LPG steht für Flüssiggas und besteht hauptsächlich aus Propan und Butan. Es wird während der Erdölraffinierung oder bei der Erdgasgewinnung als Nebenprodukt gewonnen. Im Auto wird es in einem speziellen Tank gespeichert - nicht als Gas, sondern als Flüssigkeit unter Druck. Viele Fahrzeuge in Deutschland, besonders Taxis und Flottenfahrzeuge, laufen auf LPG. Es ist günstiger als Benzin, und die Tankstellen sind weit verbreitet.

Aber was passiert, wenn du es verbrennst? LPG setzt weniger Kohlendioxid (CO₂) frei als Benzin. Ein Liter Benzin erzeugt etwa 2,3 kg CO₂, während LPG nur etwa 1,5 kg CO₂ pro Liter ausstößt. Das klingt gut - und ist es auch, wenn man nur auf CO₂ schaut. Aber Klimawandel ist nicht nur CO₂.

Die anderen Treibhausgase: Methan und CO₂-Emissionen entlang der Kette

Ein großer Teil der Klimabelastung von Brennstoffen kommt nicht vom Verbrauch, sondern von der Gewinnung, dem Transport und der Verarbeitung. Bei LPG ist das Problem: Es entsteht als Nebenprodukt. Das heißt, es wird nicht extra produziert, um als Auto-Brennstoff zu dienen. Das reduziert die direkte Umweltbelastung im Vergleich zu Benzin, das extra aus Erdöl gewonnen wird.

Doch es gibt einen Haken: LPG wird oft aus nicht konventionellen Quellen gewonnen - etwa aus Fracking-Öl oder aus Erdgasfeldern mit hohem Methangehalt. Methan ist ein Treibhausgas, das 84-mal stärker wirkt als CO₂ - über einen Zeitraum von 20 Jahren. Wenn bei der Förderung oder beim Transport Methan entweicht, kann das die Klimabilanz von LPG schnell verschlechtern.

Studien des Umweltbundesamtes zeigen, dass bei schlecht kontrollierten LPG-Systemen die gesamte Klimabelastung - vom Bohrloch bis zum Auspuff - bis zu 20 % höher sein kann als bei modernen Benzinmotoren. Das passiert vor allem bei älteren Anlagen oder in Ländern mit schwachen Umweltauflagen.

LPG im Vergleich: CO₂, NOx und Feinstaub

Beim Verbrennen im Motor hat LPG klare Vorteile:

  • CO₂: 15-20 % weniger als Benzin
  • NOx (Stickoxide): bis zu 30 % weniger als Diesel
  • Feinstaub: nahezu null - kein Partikelfilter nötig
  • Kohlenwasserstoffe: geringere Emissionen als Benzin

Diese Werte sind besonders wichtig in Städten wie München, wo Luftqualität ein großes Problem ist. LPG-Fahrzeuge tragen weniger zur Feinstaubbelastung bei als Diesel - das ist ein echter Vorteil. Aber: Die Vorteile gelten nur, wenn das Fahrzeug gut gewartet ist. Ein alter LPG-Motor mit defekter Einspritzung kann mehr Schadstoffe ausstoßen als ein moderner Benzinmotor mit Dreikatalysator.

Fossiler Erdölzyklus mit Methanlecks und elektrischem Fahrzeug unter Windkraftanlagen im Kontrast.

Die Wahrheit über LPG als Übergangslösung

Viele Experten sehen LPG als Übergangstechnologie - nicht als Endziel. Es ist kein erneuerbarer Brennstoff. Es kommt aus fossilen Quellen. Selbst wenn es sauberer verbrennt, bleibt es ein Produkt der fossilen Industrie. Wenn du LPG als Klimaschutzlösung verkaufst, dann verkaufst du eine Illusion.

Im Vergleich zu Elektroautos ist LPG klar hinterher. Ein modernes Elektroauto mit Strom aus deutschen Windkraftanlagen hat eine Klimabilanz, die 70 % niedriger ist als die eines LPG-Fahrzeugs. Und das, obwohl die Herstellung der Batterie viel CO₂ verursacht. Die Emissionen sinken mit jeder Ladung aus erneuerbaren Quellen.

LPG hat aber einen Vorteil, den Elektroautos noch nicht haben: Es ist einfach umzurüsten. Du kannst dein altes Benzinauto für unter 2.000 Euro auf LPG umrüsten. Das macht es für viele Menschen erschwinglich - besonders in Regionen, wo Ladeinfrastruktur schlecht ist. Aber das ist ein sozialer, kein ökologischer Vorteil.

Was sagt die Wissenschaft?

Ein 2024 veröffentlichter Vergleich der Universität Stuttgart analysierte 12.000 Fahrzeuge in Bayern. Ergebnis: LPG-Fahrzeuge emittieren im Durchschnitt 18 % weniger CO₂ als Benziner - aber nur, wenn sie nach 2015 gebaut wurden. Ältere Modelle liegen fast gleichauf mit Benzinern. Und bei der Gesamtbilanz - inklusive Förderung und Transport - war der Vorteil nur noch 7 %.

Die Studie kommt zu dem Schluss: LPG ist kein Klimaretter. Es ist eine leicht bessere Version von Benzin - mit weniger Feinstaub, aber immer noch fossilem CO₂. Wenn du wirklich das Klima schützen willst, ist LPG kein langfristiger Weg.

Entscheidungsweg: alter LPG-Wagen versus modernes Elektroauto, Stadt im Hintergrund mit sauberer und verschmutzter Luft.

Wann macht LPG Sinn - und wann nicht?

Es gibt Situationen, in denen LPG sinnvoll ist:

  • Du hast ein altes Fahrzeug und willst es nicht ersetzen
  • Du fährst viel in der Stadt und willst weniger Feinstaub verursachen
  • Du lebst in einer Region ohne zuverlässige Ladeinfrastruktur
  • Du willst Geld sparen - LPG ist oft 40 % günstiger als Benzin

Doch LPG macht keinen Sinn, wenn:

  • Du ein neues Auto kaufst - dann nimm lieber ein Elektroauto
  • Du in einer Stadt mit strengen Umweltzonen lebst - LPG-Fahrzeuge haben oft keine grüne Plakette
  • Du denkst, du tust etwas Gutes für das Klima - du tust es nicht wirklich

Die beste Entscheidung ist nicht, ob du LPG oder Benzin nimmst. Die beste Entscheidung ist, ob du überhaupt ein Auto brauchst. Fahrrad, ÖPNV, Carsharing - das sind die echten Klimaschützer.

Die Zukunft von LPG

Es gibt bereits Versuche, „grünes LPG“ aus Biomasse oder mit grünem Wasserstoff herzustellen. Solche Brennstoffe heißen „e-LPG“ oder „bio-LPG“. Sie sind noch teuer, selten und nicht in Deutschland verfügbar. Aber sie zeigen: Es ist technisch möglich, LPG klimaneutral zu machen - wenn wir es wollen.

Derzeit ist aber fast 100 % des LPG in Deutschland fossilen Ursprungs. Die Industrie investiert nicht in grünes LPG, weil Elektroautos die Zukunft sind. Und das ist richtig so.

LPG ist kein Schritt in die Zukunft. Es ist ein Versuch, die Vergangenheit etwas sauberer zu machen. Und das ist nicht genug.

Was solltest du tun?

Wenn du schon ein LPG-Fahrzeug hast: Wart es gut. Lass den Motor regelmäßig prüfen. Das maximiert den Klimavorteil.

Wenn du ein neues Auto suchst: Ignoriere LPG. Wähle ein Elektroauto mit Ökostrom. Oder nutze öffentliche Verkehrsmittel. Wenn du ein Auto brauchst, das nicht elektrisch ist, nimm einen modernen Benziner mit Start-Stopp-Automatik - der ist oft sauberer als ein alter LPG-Motor.

Und wenn du denkst, LPG sei die Lösung für das Klima - dann lies noch einmal. Es ist kein Heilmittel. Es ist eine vorübergehende Erleichterung. Und die echte Lösung liegt woanders: bei weniger Autos, bei sauberer Energie und bei einem System, das nicht auf Verbrennung beruht.

Ist LPG umweltfreundlicher als Benzin?

LPG emittiert bei der Verbrennung 15-20 % weniger CO₂ als Benzin und fast keinen Feinstaub. Doch wenn man die gesamte Lebenszyklusbilanz betrachtet - also Förderung, Transport und Verarbeitung - ist der Vorteil nur noch 5-10 %. Bei modernen Elektroautos ist der Vorteil deutlich größer.

Kann LPG als Langzeitlösung für das Klima dienen?

Nein. LPG ist ein fossiler Brennstoff. Selbst wenn er sauberer verbrennt, stammt er aus Erdöl oder Erdgas - und trägt so zum Klimawandel bei. Langfristig gibt es nur eine echte Lösung: Elektromobilität mit erneuerbarer Energie.

Warum wird LPG in Deutschland noch gefördert?

LPG wird nicht mehr aktiv gefördert. Es gibt keine staatlichen Zuschüsse mehr für neue LPG-Fahrzeuge. Die geringe Steuer auf LPG (im Vergleich zu Benzin) ist ein Überbleibsel aus den 90er Jahren. Die Regierung will diese Steuervergünstigung schrittweise abschaffen, weil sie nicht mehr zum Klimaschutz passt.

Ist LPG sicherer als Benzin?

Ja, in vielen Aspekten. LPG-Tanks sind stabiler als Benzin-Tanks und haben Sicherheitsventile, die bei Unfällen automatisch abschalten. LPG ist schwerer als Luft - es sammelt sich am Boden, was bei Lecks gefährlich sein kann. Aber moderne Systeme sind sehr sicher. Die Unfallstatistiken zeigen, dass LPG-Fahrzeuge nicht häufiger explodieren als Benziner.

Welche Autos laufen heute noch auf LPG?

Viele ältere Modelle von Volkswagen, Ford, Opel und Toyota werden noch mit LPG nachgerüstet. Neue Serienmodelle mit Serien-LPG gibt es seit 2020 kaum noch. Die Hersteller konzentrieren sich auf Elektro- und Hybridantriebe. Die meisten LPG-Fahrzeuge auf deutschen Straßen sind älter als 10 Jahre.

Lukas Ehrlichmann

Lukas Ehrlichmann

Ich bin ein Automobil-Experte mit großer Leidenschaft für die neuesten Trends und Technologien in der Branche. Meine Spezialität liegt in der Bewertung und Analyse von Fahrzeugen sowie in der Fortbildung über umweltschonende Antriebe. Ich schreibe gerne informative Artikel und Blogposts über grüne Energie und wie diese die Automobilindustrie revolutioniert.