Verbrennt Erdgas heißer als Propan? Der Vergleich der Brenntemperaturen

Verbrennt Erdgas heißer als Propan? Der Vergleich der Brenntemperaturen
Nov 29, 2025

Wenn du einen Grill, eine Heizung oder einen Campingkocher mit Gas betreibst, fragst du dich vielleicht: Verbrennt Erdgas heißer als Propan? Die Antwort ist nicht so einfach, wie sie klingt. Beide Gase sind beliebt, aber sie unterscheiden sich in wichtigen Details - besonders bei der Temperatur, die sie beim Verbrennen erzeugen. Wer hier einen falschen Schluss zieht, könnte mit schlechter Leistung, ineffizienter Heizung oder sogar Sicherheitsproblemen enden.

Die nackte Zahl: Wie heiß wird es wirklich?

Propan verbrennt bei optimalen Bedingungen mit einer Flammentemperatur von etwa 1980 °C. Erdgas, das hauptsächlich aus Methan besteht, erreicht knapp darunter bei etwa 1950 °C. Das klingt nach einem winzigen Unterschied - und das ist es auch. In der Praxis ist dieser Unterschied von 30 Grad so gering, dass er für die meisten Anwendungen keine Rolle spielt.

Doch hier kommt der entscheidende Punkt: Es geht nicht nur um die maximale Temperatur, sondern um die Energie, die du tatsächlich nutzen kannst. Propan hat einen höheren Heizwert pro Volumen. Ein Kubikmeter Propan enthält rund 25,3 kWh Energie, während ein Kubikmeter Erdgas nur etwa 10,1 kWh liefert. Das bedeutet: Du brauchst fast dreimal so viel Erdgas wie Propan, um die gleiche Wärmemenge zu erzeugen.

Warum ist der Heizwert wichtiger als die Flammentemperatur?

Stell dir vor, du hast zwei Feuer: Ein kleines, aber extrem heißes und ein größeres, das etwas kühler ist. Welches wärmt deine Suppe schneller? Das größere - weil es mehr Energie abgibt. Genau das ist der Unterschied zwischen Propan und Erdgas.

Propan ist dichter und speichert mehr Energie pro Liter oder Kubikmeter. Das macht es ideal für portable Anwendungen wie Gasflaschen für Grills, Campingkocher oder Wohnmobile. Du bekommst mehr Leistung aus weniger Volumen. Erdgas hingegen ist leichter und wird meist über Leitungen transportiert - es ist die Standardwahl für fest installierte Heizungen und Küchen in Häusern, weil es über das Netz verfügbar ist.

Ein weiterer Faktor: Die Verbrennungseffizienz. Propan verbrennt sauberer in vielen Geräten, weil es weniger Luft benötigt, um vollständig zu verbrennen. Erdgas braucht mehr Luft, und wenn die Mischung nicht perfekt ist, entsteht Kohlenmonoxid - ein unsichtbares Risiko. Das ist besonders wichtig bei schlecht belüfteten Räumen oder veralteten Geräten.

Praktische Auswirkungen: Was bedeutet das für dich?

Wenn du einen Grill mit Propan betreibst, heizt er schneller auf und hält die Hitze besser. Das ist der Grund, warum Profi-Griller fast immer Propan verwenden. Du kannst Fleisch bei hoher Temperatur anbraten, ohne lange warten zu müssen. Bei Erdgas dauert es länger, bis die Grillplatte heiß genug ist - und die Hitze ist weniger konzentriert.

In der Heiztechnik ist die Sache anders. Hausheizungen, die mit Erdgas laufen, sind oft leistungsstärker als Gasheizungen mit Propan, weil sie mit höheren Drücken und größeren Leitungen arbeiten. Aber das liegt nicht an der Temperatur des Gases - sondern an der Systemauslegung. Ein Erdgas-Kessel kann 30 kW abgeben, ein Propan-Kessel mit der gleichen Leistung braucht eine größere Leitung und einen größeren Tank.

Wenn du in einem Haus mit Erdgasanschluss lebst, ist es sinnvoll, Geräte zu nutzen, die dafür ausgelegt sind. Umzurüsten auf Propan ist möglich - aber teuer. Du brauchst neue Düsen, andere Druckregler und oft sogar einen neuen Gasanschluss. Das lohnt sich nur, wenn du keinen Erdgasanschluss hast und auf Flaschen angewiesen bist.

Propan-Zylinder strahlt konzentrierte Wärme auf ein Steak, Erdgas-Pipe verteilt diffuse Wärme über dasselbe Steak.

Die falsche Annahme: Höhere Temperatur = bessere Leistung

Viele denken: „Wenn Propan heißer verbrennt, ist es einfach besser.“ Das ist ein Irrtum. Die Temperatur ist nur ein Teil des Bildes. Die Gesamtenergie, die Effizienz der Verbrennung, die Handhabung und die Kosten sind genauso wichtig.

Propan ist teurer pro kWh als Erdgas. In Deutschland kostet ein Kilowattstunde Erdgas etwa 7-9 Cent, Propan liegt bei 12-15 Cent. Wenn du viel verbrauchst - etwa für eine Heizung - zahlt sich Erdgas langfristig aus. Für sporadische Nutzung, wie einen Wochenendgrill, ist Propan praktischer, weil du die Flasche einfach wechselst.

Und dann ist da noch die Umweltbilanz. Erdgas emittiert weniger CO₂ pro kWh als Propan, weil Methan (CH₄) weniger Kohlenstoff pro Molekül enthält als Propan (C₃H₈). Beide sind fossile Energieträger - aber Erdgas ist leichter zu verfeinern und hat bei vollständiger Verbrennung geringere Emissionen.

Was passiert, wenn du das falsche Gas verwendest?

Wenn du Propan in ein Gerät für Erdgas füllst, kann es zu gefährlichen Situationen kommen. Propan hat einen höheren Druck. Die Düsen und Ventile in Erdgasgeräten sind dafür ausgelegt, weniger Druck zu verarbeiten. Bei Propan kann zu viel Gas austreten - das führt zu unkontrollierten Flammen, Überhitzung oder sogar Explosionen.

Umgekehrt: Wenn du Erdgas in einen Propan-Grill gibst, wird die Flamme schwach und gelb. Du bekommst kaum Hitze, weil zu wenig Gas pro Volumen durch die Düse strömt. Der Grill heizt nicht richtig auf - und du verbrauchst unnötig viel Gas, weil du die Flamme länger laufen lassen musst.

Das ist kein Kleinigkeitsproblem. Die Deutsche Gesetzliche Unfallversicherung (DGUV) warnt explizit davor, Gase ohne entsprechende Umstellung zu wechseln. Jedes Jahr gibt es in Deutschland Dutzende Unfälle, die auf falsche Gasnutzung zurückzuführen sind.

Aufgespaltenes Haus: Erdgas-Heizung im Wohnzimmer, Propan-Campingkocher unter Sternen, geknickter Pfeil warnt vor Gaswechsel.

Wie du das richtige Gas für deine Anwendung wählst

  • Grillen, Camping, mobile Nutzung: Propan - wegen der hohen Energiedichte und der einfachen Handhabung mit Flaschen.
  • Feste Heizung, Küchenanlagen, Hausanschluss: Erdgas - wegen der niedrigeren Kosten und der sicheren Versorgung über Leitungen.
  • Heizung im Wohnmobil: Meist Propan - weil es in Flaschen geliefert wird und keine Leitung braucht.
  • Industrielle Anwendungen: Beide werden verwendet, aber oft Propan für Schweißen, weil es eine konzentrierte, hohe Temperatur braucht.

Wenn du unsicher bist: Lies das Etikett am Gerät. Jeder Hersteller gibt an, welches Gas erlaubt ist. Keine Annahmen machen. Nicht weil es „fast gleich“ ist - sondern weil es lebenswichtig sein kann.

Die Zukunft: Was ändert sich?

Immer mehr Haushalte in Deutschland wechseln zu Wärmepumpen oder Wasserstoff. Erdgas und Propan werden langfristig zurückgedrängt - aber das dauert noch Jahre. Bis dahin bleibt Propan der König der mobilen Energie, und Erdgas der Alltagshelfer in der Küche und im Heizungskeller.

Ein interessanter Trend: Biopropan und Bioerdgas werden immer häufiger angeboten. Sie stammen aus nachwachsenden Rohstoffen und können in bestehenden Geräten verwendet werden - ohne Umbau. Wenn du auf Nachhaltigkeit achtest, frag nach diesen Varianten. Sie haben die gleiche Leistung, aber eine bessere Bilanz.

Frequently Asked Questions

Verbrennt Propan wirklich heißer als Erdgas?

Ja, Propan verbrennt mit etwa 1980 °C leicht heißer als Erdgas mit etwa 1950 °C. Der Unterschied ist aber so klein, dass er in der Praxis kaum eine Rolle spielt. Wichtiger ist der Heizwert: Propan liefert mehr Energie pro Volumen, was für Grills und mobile Anwendungen entscheidend ist.

Kann ich Erdgas und Propan einfach austauschen?

Nein. Propan hat einen höheren Druck als Erdgas. Wenn du Propan in ein Erdgasgerät füllst, kann zu viel Gas austreten - das ist gefährlich. Umgekehrt verbrennt Erdgas in einem Propan-Grill zu schwach. Jedes Gerät ist speziell für ein Gas ausgelegt. Nur mit fachkundiger Umstellung - inklusive Düsenwechsel und Druckregler - ist ein Wechsel sicher möglich.

Welches Gas ist günstiger?

Erdgas ist deutlich günstiger pro Kilowattstunde. In Deutschland kostet es etwa 7-9 Cent, Propan liegt bei 12-15 Cent. Wenn du viel verbrauchst - etwa für Heizung - sparest du mit Erdgas. Für sporadische Nutzung wie Grillen ist Propan praktischer, weil du Flaschen einfach wechseln kannst, ohne auf ein Netz angewiesen zu sein.

Ist Propan umweltfreundlicher als Erdgas?

Nein. Erdgas emittiert weniger CO₂ pro kWh, weil Methan weniger Kohlenstoff enthält als Propan. Beide sind fossile Energieträger. Allerdings gibt es mittlerweile Bioerdgas und Biopropan - aus nachwachsenden Rohstoffen. Diese Varianten haben eine bessere Ökobilanz und können in bestehenden Geräten verwendet werden.

Warum verwenden Profi-Griller Propan?

Propan hat einen höheren Heizwert und eine höhere Energiedichte. Das bedeutet: Du bekommst mehr Hitze aus weniger Gas. Das ist ideal für schnelles, intensives Grillen. Außerdem ist Propan in Flaschen leicht transportierbar - perfekt für mobile oder professionelle Anwendungen. Erdgas würde hier zu langsam aufheizen und die Hitze wäre weniger konzentriert.

Lukas Ehrlichmann

Lukas Ehrlichmann

Ich bin ein Automobil-Experte mit großer Leidenschaft für die neuesten Trends und Technologien in der Branche. Meine Spezialität liegt in der Bewertung und Analyse von Fahrzeugen sowie in der Fortbildung über umweltschonende Antriebe. Ich schreibe gerne informative Artikel und Blogposts über grüne Energie und wie diese die Automobilindustrie revolutioniert.