Stell dir vor, du stehst an einer Tankstelle - und die letzten Benzin-Pumpen sind abgeschaltet. Kein Sprit mehr. Kein Gestank. Kein Motorengeräusch. Klingt wie Science-Fiction? In vielen Ländern ist das schon Realität. Aber in Deutschland? Und was bedeutet das wirklich für dich, wenn du heute noch ein Auto mit Verbrennungsmotor fährst?
Die Politik sagt: Ausstieg bis 2035
Die Europäische Union hat beschlossen: Ab 2035 dürfen keine neuen Benziner oder Diesel mehr zugelassen werden. Das gilt für alle Mitgliedstaaten - inklusive Deutschland. Es geht nicht um eine Abschaffung von alten Autos, sondern um ein Verkaufsverbot für neue Modelle mit Verbrennungsmotor. Das bedeutet: Du darfst dein altes Auto weiterfahren, solange es läuft. Aber wenn es kaputtgeht oder du ein neues willst, dann bleibt dir nur noch Elektro oder Hybrid - und selbst Hybridmodelle mit großem Verbrenner werden bald nicht mehr neu verkauft.
Diese Regelung kommt nicht aus dem Nichts. Seit 2021 sinkt der Anteil neuer Verbrenner in Deutschland kontinuierlich. 2023 waren noch 42 % der Neuzulassungen Benziner oder Diesel. 2025 sind es nur noch 18 %. Elektroautos haben den Anteil auf 47 % gesteigert. Die Zahlen sprechen eine klare Sprache: Der Markt wandelt sich schneller als die Politik.
Warum wird das gemacht?
Nicht weil jemand gegen Benzin fährt - sondern weil das Klima nicht mehr warten kann. Der Verkehr verursacht in Deutschland etwa 18 % der CO₂-Emissionen. Die meisten davon kommen von Pkw mit Verbrennungsmotor. Ein durchschnittlicher Benziner stößt pro Jahr rund 1,7 Tonnen CO₂ aus. Ein Elektroauto - selbst wenn es mit Strom aus Kohlekraftwerken geladen wird - kommt auf nur 0,8 Tonnen. Und wenn du mit Ökostrom fährst, sinkt der Wert auf unter 0,2 Tonnen.
Dazu kommt die Luftverschmutzung. Stickoxide und Feinstaub aus Dieselmotoren haben in Städten wie München, Berlin oder Köln zu massiven Gesundheitsproblemen geführt. Die WHO sagt: Jedes Jahr sterben in Deutschland über 60.000 Menschen vorzeitig an den Folgen von Luftverschmutzung. Ein großer Teil davon hängt mit Verkehrsemissionen zusammen.
Es geht also nicht um eine Modeerscheinung. Es geht um Gesundheit, Klima und Lebensqualität.
Was passiert mit alten Benzinautos?
Ein wichtiger Punkt: Niemand nimmt dir dein Auto ab. Du darfst dein Fahrzeug weiterhin fahren, tanken, warten und verkaufen - egal ob es 5, 15 oder 25 Jahre alt ist. Die neue Regelung betrifft nur Neuzulassungen. Das ist ein großer Unterschied.
Was aber passiert mit der Infrastruktur? Tankstellen werden nicht einfach verschwinden. Viele wandeln sich um: Sie werden zu Lade- und Wasserstoff-Tankstellen. In München gibt es bereits über 120 Tankstellen, die neben Benzin auch Schnelllader für Elektroautos anbieten. Einige Betreiber wie Shell oder Aral haben angekündigt, bis 2030 die Hälfte ihrer Stationen umzubauen.
Und was ist mit der Wartung? Mechaniker lernen Elektroantriebe. Die Zahl der Auszubildenden in der Kfz-Technik mit Schwerpunkt Elektromobilität ist seit 2021 um 210 % gestiegen. Die alten Verbrenner werden zwar immer seltener, aber sie bleiben reparierbar - zumindest noch für viele Jahre.
Elektroautos: Besser als du denkst
Die meisten Leute haben noch Vorurteile: zu teuer, zu langsame Ladezeit, zu wenig Reichweite. Schauen wir uns die Zahlen von 2025 an.
- Reichweite: Der Durchschnitts-Elektroauto fährt heute 420 km auf einer Ladung. Modelle wie der Hyundai Ioniq 6 oder der Tesla Model 3 schaffen über 600 km.
- Ladezeit: Mit einem 150-kW-Schnelllader lädst du von 10 % auf 80 % in unter 20 Minuten. Das ist schneller als eine Kaffeepause.
- Kosten: Ein Elektroauto kostet heute im Durchschnitt 3.200 € weniger an Betriebskosten pro Jahr als ein Benziner - wegen geringerem Stromverbrauch, weniger Wartung und keinem Ölwechsel.
- Preis: Die Preise für Elektroautos sind seit 2022 um durchschnittlich 18 % gesunken. Der VW ID.3 kostet heute genauso viel wie ein gleichgroßer Golf mit Benzinmotor - und das ohne Förderung.
Und die Batterien? Sie halten 15-20 Jahre. Die meisten Hersteller geben 8 Jahre oder 160.000 km Garantie. Nach Ablauf der Garantie lässt sich die Batterie oft noch zu 80 % nutzen - oder recyceln. In Deutschland recycelt man heute über 95 % der Lithium-Ionen-Batterien.
Die Falle mit den Plug-in-Hybriden
Viele Autohersteller versuchen, den Übergang zu verschleiern. Sie verkaufen Plug-in-Hybride - Autos mit kleinem Elektromotor und großem Benzinmotor. Sie wirken wie eine Brücke. Aber sie sind es nicht.
Warum? Weil die meisten Fahrer sie nur als Benziner nutzen. Studien zeigen: 70 % der Plug-in-Hybride werden nie geladen. Sie fahren also mit Benzin - und verbrauchen sogar mehr als normale Benziner, weil sie schwerer sind. Die EU hat das erkannt: Ab 2026 dürfen Plug-in-Hybride mit Verbrennungsmotor nicht mehr als „niedrigem Emissionsfahrzeug“ gelten. Das bedeutet: Keine Förderung mehr. Keine Vorteile mehr. Sie werden zum teuren Benzinauto mit unnötiger Technik.
Wenn du wirklich auf Elektro umsteigen willst, dann kauf ein reines Elektroauto. Nicht einen Hybrid, der dich nur täuscht.
Was ist mit LKW, Motorrädern und Oldtimer?
Die Regelung betrifft nur Pkw mit bis zu 3,5 Tonnen Gesamtgewicht. Lastwagen, Busse und Motorräder haben andere Regeln. Für Motorräder gibt es bis 2035 keine Verbrenner-Verbot - aber auch hier wird die Elektrifizierung voranschreiten. Harley-Davidson und BMW haben bereits serienreife Elektro-Motorräder im Angebot.
Oldtimer? Keine Sorge. Sie sind von der Regelung ausgenommen. Wer ein historisches Fahrzeug fährt, darf es weiterhin tanken - und auch verkaufen. Es gibt sogar spezielle Oldtimer-Tankstellen, die auf E85 oder synthetischen Kraftstoff setzen. Die Industrie forscht an E-Fuels - künstlich hergestellter Treibstoff aus CO₂ und Wasserstoff. Aber: Sie sind teuer, energieintensiv und werden nicht für Massenfahrzeuge taugen. Sie sind nur eine Nische für Sammler.
Was passiert mit den Arbeitsplätzen?
Ein häufiges Argument gegen die Elektromobilität: „Dann verlieren Tausende Jobs.“ Stimmt - aber nur teilweise.
Ein Verbrennungsmotor hat über 2.000 Einzelteile. Ein Elektromotor hat 20. Das bedeutet: Weniger Montagearbeit. Aber mehr Arbeit in der Batterieproduktion, in der Software, im Ladeinfrastruktur-Ausbau und in der Wartung von Elektroautos. In Deutschland entstehen neue Jobs in der Akkufabrik in Brandenburg, in der Softwareentwicklung für Autonomes Fahren und im Ausbau von Ladesäulen - 2025 gibt es hierzulande bereits 120.000 öffentliche Ladepunkte, 2020 waren es 30.000.
Die Industrie verändert sich - nicht verschwindet. Wer heute in einer Zulieferfirma für Zündkerzen arbeitet, wird in einer Firma für Leistungselektronik oder Wärmepumpen landen. Die Ausbildung wird umgestellt. Die Arbeitsplätze wandern - nicht verschwinden.
Was bedeutet das für dich?
Wenn du heute ein Benzinauto fährst: Keine Panik. Dein Auto bleibt legal. Du kannst es weiterfahren. Aber wenn du in den nächsten 3-5 Jahren ein neues Auto brauchst, dann solltest du dir ernsthaft überlegen: Warum noch einen Verbrenner kaufen?
Elektroautos sind heute günstiger im Unterhalt, leiser, schneller in der Beschleunigung und umweltfreundlicher. Die Ladeinfrastruktur ist in Städten wie München, Hamburg oder Köln fast überall verfügbar. Auf Autobahnen gibt es alle 50 km einen Schnelllader.
Und wenn du kein neues Auto willst? Dann bleib bei deinem. Aber wenn du einen neuen Motor brauchst, dann frag dich: Willst du in eine Technologie investieren, die 2035 nicht mehr neu verkauft wird? Oder in eine, die die Zukunft ist?
Die Zukunft ist nicht mehr fern
2035 ist nicht das Ende der Welt. Es ist das Ende einer Ära. Die Ära des Verbrenners. Nicht weil sie böse war - sondern weil sie überholt ist. Wie die Dampflok. Wie das Faxgerät. Wie das Kassettenband.
Elektroautos sind nicht perfekt. Die Rohstoffe für Batterien müssen besser recycelt werden. Der Strom muss sauberer werden. Die Ladeinfrastruktur muss noch ausgebaut werden. Aber sie sind der klare Weg nach vorn.
Die Frage ist nicht: „Verschwinden Benziner?“ Die Frage ist: „Willst du noch in eine Vergangenheit investieren - oder in die Zukunft?“