Wenn du dir ein neues Kochfeld kaufst, stehst du vielleicht vor der Frage: Soll es für LPG oder für Erdgas sein? Beide nutzen Gas zum Kochen - aber sie sind nicht austauschbar. Ein LPG-Kochfeld funktioniert nicht einfach so mit Erdgas - und umgekehrt. Das ist kein kleiner Trick, sondern eine Frage von Druck, Düsen und Sicherheit. Viele Leute denken, es sei nur eine Frage der Gasquelle. Doch dahinter steckt eine ganze Technik, die du kennen solltest, bevor du das Gerät anschließt.
Was ist LPG?
LPG steht für Liquefied Petroleum Gas - also verflüssigtes Erdgas. Es besteht hauptsächlich aus Propan und Butan. Diese Gase werden unter Druck flüssig, sodass sie in Flaschen gespeichert werden können. In Deutschland wird LPG vor allem in Wohnwagen, auf Campingplätzen und in ländlichen Gebieten genutzt, wo kein Erdgasanschluss vorhanden ist. Die Flaschen sind oft rot und haben ein Sicherheitsventil. Eine Standardflasche wiegt etwa 11 kg und reicht für eine durchschnittliche Familie etwa zwei bis drei Wochen.
Im Gegensatz zu Erdgas ist LPG schwerer als Luft. Wenn es austritt, sinkt es zu Boden - das ist wichtig für die Sicherheit. Ein Leck in der Küche kann sich also am Boden sammeln, statt nach oben zu steigen. Deshalb müssen LPG-Anlagen immer mit Gaswarnern und guter Belüftung ausgestattet sein.
Was ist Erdgas?
Erdgas, auch als Stadtgas oder Natürliche Gas bezeichnet, besteht hauptsächlich aus Methan. Es wird über Pipelines direkt in deine Wohnung geleitet - du brauchst keine Flaschen. In Deutschland ist es der Standard für Küchen, Heizungen und Warmwasser. Fast jede neue Wohnung hat einen Erdgasanschluss. Es ist sauberer als Kohle oder Öl, und die Preise schwanken weniger als bei LPG, weil es durch langfristige Verträge stabilisiert wird.
Erdgas ist leichter als Luft. Wenn es entweicht, steigt es nach oben - das macht es in geschlossenen Räumen etwas sicherer. Dennoch: Jedes Gasleck ist gefährlich. Deshalb gibt es auch hier gesetzliche Vorschriften für Installation und Wartung.
Der entscheidende Unterschied: Druck und Düsen
Der größte Unterschied zwischen LPG und Erdgas liegt nicht im Geruch oder im Preis, sondern im Druck. LPG wird mit einem viel höheren Druck aus der Flasche gespeist - etwa 28-30 mbar. Erdgas hingegen kommt mit nur 20-22 mbar aus der Leitung. Das klingt nach wenig, aber in der Brennerdüse macht das einen riesigen Unterschied.
Ein LPG-Kochfeld hat kleinere Düsen, weil das Gas unter höherem Druck kommt - weniger Volumen reicht aus, um eine starke Flamme zu erzeugen. Ein Erdgas-Kochfeld hat größere Düsen, weil das Gas mit niedrigerem Druck kommt und mehr Volumen braucht, um die gleiche Leistung zu liefern. Wenn du einen LPG-Ofen mit Erdgas betreibst, fließt zu wenig Gas durch die kleinen Düsen. Die Flamme wird schwach, das Essen brennt nicht gleichmäßig. Umgekehrt: Erdgas in einem LPG-Kochfeld? Dann fließt zu viel Gas durch die großen Düsen. Das kann zu einer riesigen, unkontrollierten Flamme führen - und das ist ein Brandrisiko.
Leistung und Effizienz: Welches Gas kocht schneller?
Einige Leute glauben, LPG kocht schneller, weil es „stärker“ ist. Das ist ein Irrtum. Beide Gase haben fast die gleiche Wärmemenge pro Einheit - LPG hat etwa 50 MJ/kg, Erdgas etwa 38 MJ/m³. Aber weil LPG dichter ist, brauchst du weniger Volumen, um die gleiche Hitze zu erzeugen. In der Praxis: Ein LPG-Kochfeld kann bei gleicher Brennergröße etwas schneller aufheizen - aber nur, weil es mit höherem Druck arbeitet. Wenn du das Gerät richtig umgerüstet hast, ist der Unterschied kaum spürbar.
Was wirklich zählt, ist die Effizienz der Herdplatte selbst. Ein gut isolierter Topf, eine passende Größe der Flamme und ein sauberer Brenner haben mehr Einfluss auf die Kochzeit als das Gas selbst. Ein schlecht gewartetes Erdgas-Kochfeld kann langsamer sein als ein perfekt eingestelltes LPG-Gerät.
Sicherheit: Was ist gefährlicher?
Beide Gase sind bei korrekter Nutzung sicher. Aber ihre physikalischen Eigenschaften verändern das Risiko. LPG ist schwerer als Luft - es sammelt sich am Boden. Das ist besonders problematisch in Kellern oder bei niedrigen Küchenmöbeln. Ein Funke von einem Schalter oder einem Zündknopf kann eine Explosion auslösen, wenn sich das Gas in einer Ecke angesammelt hat. Deshalb sind LPG-Anlagen oft mit automatischen Absperrventilen und Gasmeldern ausgestattet.
Erdgas steigt nach oben. Es sammelt sich unter der Decke - und kann durch Lüftung abgeführt werden. Das ist einfacher zu kontrollieren. Aber: Erdgas ist farb- und geruchlos. Deshalb wird ein Geruchsstoff (Mercaptan) zugesetzt - der so stinkt wie verfaulte Eier. Wenn du diesen Geruch riechst, ist es Zeit, das Fenster aufzumachen, den Hahn zuzudrehen und den Notruf zu wählen.
Umstellung: Kann man ein Kochfeld umrüsten?
Ja - aber nur von einem Fachmann. Viele Hersteller bieten Umstellungskits an. Das sind kleine Teile: neue Düsen, manchmal ein anderes Druckregelventil. Du kannst das nicht selbst machen. Ein falsch eingestellter Brenner führt nicht nur zu schlechtem Kochen - er kann die ganze Küche in Brand setzen. Ein Gasinstallateur prüft den Druck, wechselt die Düsen, testet die Dichtheit und gibt dir eine Bescheinigung. Ohne diese Bescheinigung versichert deine Hausratversicherung den Schaden nicht.
Wenn du von Erdgas auf LPG umsteigen willst - etwa weil du in ein Haus ohne Gasanschluss ziehst - musst du das Kochfeld komplett austauschen oder umrüsten. Es gibt keine „universalen“ Kochfelder, die beide Gase ohne Modifikation nutzen. Selbst Modelle, die als „dual fuel“ beworben werden, brauchen eine professionelle Umrüstung.
Preis und Verfügbarkeit in Deutschland
In Städten wie München, Berlin oder Köln ist Erdgas die Standardoption. Du zahlst monatlich eine Grundgebühr und einen Verbrauchspreis - etwa 7 bis 10 Cent pro kWh. LPG ist teurer: Eine 11-kg-Flasche kostet zwischen 15 und 20 Euro, was etwa 14 bis 18 Cent pro kWh entspricht. Du musst außerdem die Flaschen wechseln, lagern und zurückbringen. Das ist aufwendig.
Aber in ländlichen Gebieten, wo kein Erdgasanschluss existiert, bleibt LPG die einzige Option. Hier ist es nicht teurer - es ist die einzige Wahl. In manchen Regionen Bayerns oder im Allgäu gibt es sogar LPG-Abholdienste, die dir die leeren Flaschen abnehmen und volle bringen.
Umweltbilanz: Was ist klimafreundlicher?
Erdgas hat einen geringeren CO₂-Ausstoß als LPG - etwa 20-25 % weniger pro kWh. Das liegt am chemischen Aufbau: Methan (Erdgas) hat weniger Kohlenstoffatome als Propan (LPG). Beide sind aber fossile Energieträger. Sie produzieren CO₂, wenn sie verbrennen.
Wenn du wirklich umweltfreundlich kochen willst, ist ein Induktionsherd die bessere Wahl. Er nutzt Strom - und wenn du Ökostrom hast, ist er nahezu emissionsfrei. Aber wenn du auf Gas angewiesen bist, ist Erdgas die sauberere Option. LPG ist nicht „schlecht“ - aber es ist nicht die grünere Wahl.
Was solltest du tun?
Wenn du ein neues Kochfeld kaufst, prüfe zuerst: Welches Gas hast du? Erdgasanschluss? Dann nimm ein Modell für Erdgas. Kein Anschluss? Dann wähle ein LPG-Kochfeld. Kaufe niemals ein Gerät, das „für beide“ geeignet sein soll - ohne zu wissen, ob es umgerüstet werden kann. Und wenn du umstellen willst: Lass es von einem zertifizierten Gasinstallateur machen. Nicht von deinem Onkel, der mal einen Herd repariert hat.
Wenn du in eine neue Wohnung ziehst, frage vorher: Erdgas oder LPG? Wenn du einen Herd mitbringst, bringe ihn nicht einfach mit - prüfe, ob er kompatibel ist. Ein falsches Gas kann dein Kochfeld ruinieren - oder deine Küche zerstören.
Gas ist kein Spielzeug. Es ist eine leistungsfähige, aber gefährliche Energiequelle. Die Unterschiede zwischen LPG und Erdgas sind klein - aber sie sind entscheidend. Wer sie ignoriert, zahlt mit Sicherheit einen hohen Preis.
Kann ich ein LPG-Kochfeld einfach mit Erdgas betreiben?
Nein. LPG-Kochfelder haben kleinere Düsen, weil LPG unter höherem Druck kommt. Erdgas hat niedrigeren Druck - es fließt zu wenig durch die Düsen. Die Flamme wird schwach, das Essen gart nicht gleichmäßig. Das ist kein Problem der Leistung, sondern der Technik. Du musst das Gerät von einem Fachmann umrüsten - oder ein neues kaufen.
Ist LPG teurer als Erdgas?
Ja, meistens. Eine 11-kg-LPG-Flasche kostet 15-20 Euro - das sind etwa 14-18 Cent pro kWh. Erdgas kostet in der Regel 7-10 Cent pro kWh, weil es über Pipelines geliefert wird. LPG ist also teurer - aber in ländlichen Gebieten ohne Gasanschluss bleibt es die einzige Option.
Warum riecht Erdgas nach faulen Eiern?
Erdgas ist eigentlich geruchlos. Um Lecks zu erkennen, wird ein chemischer Geruchsstoff (Mercaptan) zugesetzt - der nach faulenden Eiern riecht. Wenn du diesen Geruch wahrnimmst, solltest du sofort das Fenster öffnen, den Gashahn zudrehen und den Notruf wählen. LPG hat ebenfalls einen Geruchsstoff - aber der Geruch ist leicht anders: eher metallisch oder süßlich.
Muss ich mein Kochfeld umrüsten, wenn ich von Erdgas auf LPG wechsle?
Ja. Die Düsen, das Druckregelventil und manchmal sogar die Zündung müssen ausgetauscht werden. Nur ein zertifizierter Gasinstallateur darf das tun. Er prüft den Druck, wechselt die Teile und stellt sicher, dass alles dicht ist. Ohne eine offizielle Bescheinigung ist dein Herd nicht versichert - und gefährlich.
Welches Gas ist sicherer?
Beide sind sicher, wenn sie richtig genutzt werden. Erdgas steigt nach oben und kann durch Lüftung abgeführt werden. LPG sinkt zu Boden und kann sich in Kellern oder unter Küchenmöbeln sammeln - das macht es potenziell gefährlicher. Deshalb braucht LPG oft zusätzliche Sicherheitsventile und Gaswarner. Aber: Ein gut gewartetes System mit regelmäßigen Prüfungen ist bei beiden Gassen sicher.